Am nächsten Morgen mit Tagesanbruch ruderten sie weiter und setzten auch das mitgenommene Segel, aber die Brise war sehr schwach und trieb sie, allerdings mit günstiger Strömung, nur langsam vorwärts. Wieder kamen sie aber hier, irregeführt durch die verschiedenen Inseln und Sandbänke, in einen falschen Kanal und erreichten erst lange nach Dunkelwerden die größere Insel Mount Adolphus, wo sie wenigstens Wasser zu finden hofften, denn das vom Regen aufgefangene war in der glühenden Hitze vollständig ausgetrunken.

Allerdings befinden sich dort dicht am Ufer in dem einen Felsen ein paar kleine Süßwasserquellen, wie sie aber den Platz erreichten, war hohe Fluth, und weiter in das Land wagten sie sich nicht hinein, da sie in den schmalen Thälern in einen Hinterhalt zu fallen fürchteten.

Einige Früchte hatten sie allerdings auf mehreren der kleinen Zwischeninseln aufgelesen, auch Eier gefunden, welche die Möven in den heißen Sand legen, um sie dort von der Sonne ausbrüten zu lassen – sonst nichts. Tauben, eine weiße prächtige Art mit dunkelbrauner Abzeichnung, sahen sie genug und schossen auch ein paar Mal danach, aber ohne irgend welchen Erfolg, denn ihre Munition bestand nur in Rehposten, nicht in Schroth, und die alten Musketen schossen nicht so sicher, daß sie einen so kleinen Gegenstand wie eine Taube damit aus den hohen Bäumen hätten herausholen können.

Auf Mount Adolphus, wo sie aber nur beilegten und sich nicht einmal getrauten das Boot zu verlassen, blieben sie aber wieder nur auf den Rest ihrer mitgenommenen Vorräthe angewiesen, und ihre einzige Hoffnung lag jetzt darin, jenes Booby-island zu erreichen und von den dort befindlichen Provisionen so lange zu zehren, bis sie eben ein durch die Torresstraße kommendes Schiff anrufen und mit diesem Batavia oder Singapore erreichen konnten.

Der Kapitän wußte übrigens von hier aus, da er die genaue Beschreibung und sogar Zeichnung der Conturen dieser Insel auf der Karte fand, genau die Richtung, die sie zu nehmen hatten. Schon um vier Uhr Morgens setzten sie auch mit einer günstigen Brise in dem hier ziemlich breiten Kanal aus, und Nachmittags um vier Uhr endlich, von brennendem Durst fast zur Verzweiflung getrieben, sichteten sie gerade im Westen den einzelnen Felsen im Meer, der nach jeder Berechnung das angegebene Booby-island sein mußte.

Der Koch wollte freilich nichts davon wissen; er behauptete, Booby-island sei ein ganz spitzer kleiner Felskegel, und das hier lag breit und flach auf dem Wasser; der Kapitän ließ sich aber nicht irre machen, denn seiner Karte und Berechnung nach stimmte es und er hielt gerade darauf zu.

Die Leute selber hatten sich bis jetzt ziemlich gut gehalten, nur der Zimmermann, der aber auch auf dem Fahrzeug Matrosendienste versah, jammerte und klagte über Durst und schöpfte mit der Hand das Seewasser, um seine Lippen zu kühlen. Damit machte er freilich das Uebel nur noch ärger, denn wenn es auch für den kurzen Augenblick etwas Erfrischendes haben mochte, der salzige Geschmack hintennach reizte und trocknete nur um so viel mehr, und er wimmerte leise vor sich hin.

»Geduld, Mann, Geduld,« sagte der Steuermann zu ihm, indem er ihn auf die Schulter klopfte, »da vorn liegt Wasser; in zwei oder drei Stunden können wir dort sein, und so lange werdet Ihr's doch bei Gott wohl aushalten. Schämt Euch doch vor dem Jungen, denn der hat noch nicht einmal geklagt.«

»Was weiß auch so ein Junge von Durst, Steuermann,« sagte der Angeredete mürrisch, »der kommt erst mit den Jahren. S'ist gerade so, als ob mir die Zunge im Hals springen und bersten müßte – und wer weiß denn, ob auch nur ein Tropfen Wasser auf dem blutigen Felsen zu finden ist. Kahl genug sieht er aus.«

»Darüber tröstet Euch, Zimmermann,« sagte der Kapitän. »The Yorkshire lady«, die vierzehn Tage vor uns ausgesegelt ist, hat dort angelegt und von Sydney besonders Wasser und Zwieback für den Zweck mitgenommen, um es dort zu lassen. Finden wir aber nicht genug, um eine Zeitlang liegen zu bleiben, nun so nehmen wir, was wir für den nächsten Tag brauchen, und laufen damit zu einer der Inseln im indischen Archipel hinauf. So weit ist die Fahrt ja nicht, und hohe See haben wir dort auch nicht zu fürchten.«