Wir wenden uns nun zu dem Jüngling. Dieser verschloß ordentlich das Kaffeehaus, legte sich auf die Bank und schlief ein. Ungefähr um vier oder fünf krachte die Türe des Kaffeehauses, öffnete sich, und ein Derwisch trat ein und grüßte. Der schlafende Jüngling wachte auf und erwiderte höflich den Gruß des Derwisches. Jetzt sagte der Derwisch: „Steh auf, junger Mann, koche mir einen Kaffee umsonst.“ Der Jüngling stand auch auf und kochte dem Derwisch einen Kaffee umsonst und reichte ihm den. Der Derwisch trank den Kaffee und ging, ohne ein Wort zu sagen, hinaus. Der Jüngling sagte: „Hoffentlich ist es eine gute Vorbedeutung“, schloß die Türe der Kaffeeschenke, setzte sich wieder auf die Bank und blieb die Nacht dort. Als es Morgen wurde, sagte er nichts dem Meister davon. Als es wieder Abend wurde, schlief er wieder wie das erstemal [[30]]ein. Genau um vier oder fünf ungefähr krachte wieder die Türe und öffnete sich. Da kamen zwei Derwische herein, grüßten und sagten: „Koche uns zwei Kaffee umsonst.“ Der Jüngling stand auf, kochte ihnen zwei Kaffee umsonst und gab sie ihnen. Sie tranken den Kaffee und gingen weg. Er schloß wieder die Türe des Kaffeehauses und verblieb die Nacht auf der Bank. Als es Morgen wurde und der Meister kam, sagte er ihm nichts von den Geschehnissen. Als es Abend wurde, schloß er wieder das Kaffeehaus und stellte alles, was an Dingen vorhanden war, hinter die Tür, legte sich auf seine Bank und schlief ein. Genau gegen vier oder fünf erhob sich ein sehr starker Lärm, die Tür krachte und öffnete sich, und herein traten drei Derwische. Nachdem sie gegrüßt hatten, sagten sie: „Steh auf, junger Mann, und koche uns drei Kaffee umsonst.“ Der arme Jüngling stand auf, kochte den Kaffee und gab ihnen den. Sie tranken ihren Kaffee und standen auf. Der eine sagte: „In der Kaffeeschenke, in der sich dieser junge Mann befindet, soll nie in der Kaffeebüchse an Kaffee und Zucker Mangel sein; sie sollen immer bis an den Rand voll sein.“ Der zweite sagte: „In die Kaffeeschenke, in der sich dieser junge Mann befindet, sollen Kunden wie Ameisen kommen.“ Der dritte sagte: „Dieser junge Mann soll alle Löcher zum Sprechen bringen können.“ Schließlich gingen alle drei Derwische auf einmal davon.
Der Jüngling schloß wieder wie das erstemal die Türe des Kaffeehauses, legte sich auf die Bank und schlief ein. Als es Morgen wurde, stand er auf, öffnete das Kaffeehaus und sieht, daß vor dem Kaffeehaus die Kunden wie Ameisen gedrängt stehen. Er sagte: „Es ist tatsächlich geschehen, was die Derwische in der Nacht sagten“, und dankte Gott. Danach ging er an den Herd und als er nach dem Kaffee und Zucker sieht, um den Kunden Kaffee zu kochen, ist die Büchse bis zum Rande voll. Er sagte: „Die Derwische waren doch nicht so ohne.“ Dann verfiel er in Nachdenken. Doch kochte er andauernd Kaffee und setzte [[31]]ihn den Gästen vor. Schließlich kommt sein Meister und sieht, — na, was siehst du?[8] — der Platz vor dem Kaffeehaus und drinnen ist voller Menschen. Er sagt zu sich: „Das ist ja ein reines Wunder“, steckt den Finger in den Mund[7] und bleibt stehen. Er denkt: „Jeden Tag kommt sonst nur der eine oder der andere Kunde. Dahinter muß etwas stecken.“ Er geht umher und findet keinen Platz zum Sitzen. Dann fragt er den Jüngling: „Hast du Kaffee und Zucker in dem Kasten?“ Der Jüngling antwortete: „Ja, Meister, ich habe welchen gekauft. Setze dich nur hin und vergnüge dich.“ Da setzte sich sein Meister irgendwohin.
Der junge Mann kochte andauernd Kaffee. Als es schließlich Abend wurde, ging sein Meister an die Schublade, öffnet sie und sieht, — na, was siehst du? — die Schublade ist bis zum Rande voller Geld. Als der Meister das sieht, wäre er beinahe ohnmächtig geworden. Dann sagte er: „Bravo, mein Junge, dein Fuß war glückbringend!“ und küßte den jungen Mann auf die Augen. Dann steckt er das Geld in den Beutel und trug es nach Hause.
Der junge Mann verblieb einige Monate im Kaffeehause und an jedem Tage kamen viele Kunden. Sie wurden nun so reich, daß sie keinen Platz finden konnten, wo sie das Geld hinlegen konnten. Schließlich sagte der junge Mann eines Tages zu seinem Meister: „Meister, ich möchte in meine Heimat reisen, gib mir die Erlaubnis.“ Der Meister wollte sich zwar nicht von ihm trennen, notgedrungen sagte er aber wohl oder übel: „Sehr schön, mein Sohn, Allah möge dir Heil geben, geh!“ Dann küßte der junge Mann seinem Meister die Hand, und der Meister gab ihm ein paar Kleider, wie es in der Welt nicht Ähnliches gibt, ganz mit Goldstickerei und mit Juwelen. Er zog sie an und machte sich auf den Weg.
Eines Tages kam er in ein anderes Land; dort mietete er sich ein Kaffeehaus und fing an zu arbeiten. Wieder kamen wie vorher so viel Kunden, daß sie sich nicht zählen ließen. [[32]]Kurz, dieser schöne Kaffeeschenk wurde in dieser Stadt bekannt.
Als eines Tages einer von den Reichen der dortigen Gegend davon hörte, konnte er es nicht mehr aushalten, stand auf und ging sofort in das Kaffeehaus, wo der schöne Kaffeeschenk war. Er setzte sich dort hin und verblieb dort, konnte aber sein Auge nicht von dem jungen Manne wenden. Er war so schön, als wenn er aus Wachs geformt wäre. — Der Reiche riß vor Erstaunen seinen Mund auf.
Der junge Mann kochte einen ganz besonders leckeren Kaffee und setzte ihm den vor. Dieser Reiche streckte seine Hand aus und trank ihn. Als er den Genuß ganz ausgekostet hatte, sagte dieser Reiche zu dem schönen Kaffeeschenk: „Schöner Kaffeeschenk, ich habe eine Tochter. Nach Allahs Bestimmung werde ich sie dir geben. Wirst du sie nehmen?“ Der schöne Kaffeeschenk sagte: „Mein Herr, da Sie Ihre Tochter für mich passend ansehen, warum sollte ich sie nicht nehmen?“ Schließlich führte dieser Reiche den schönen Kaffeeschenk in sein Haus, rief die Gemeinde zusammen und verheiratete seine Tochter mit dem Kaffeeschenk. Es wurde Scherbet getrunken und an jeden verteilt. Den schönen Kaffeeschenk geleitete man in dieser Nacht ins Brautgemach. Der schöne Kaffeeschenk ging zu dem Mädchen und sagte: „Loch, wer hat dich durchstochen?“ Das Loch schrie: „Mich hat mein Vetter durchstochen.“
Am Morgen schied er sich von diesem Mädchen und ging in sein Kaffeehaus. Als sie das sahen, wunderten sie sich: „Was ist das für eine Sache, an einem Tage heiraten und am nächsten scheiden?“ Alle waren verwundert und bedenklich.
Wir wollen die Geschichte nicht in die Länge ziehen. Der schöne Kaffeeschenk nahm die Tochter eines anderen reichen Mannes. Als es Morgen wurde, entließ er sie wieder. Am folgenden Tage nahm er anderswoher ein Mädchen, auch die entließ er. [[33]]
Als dieser schöne Kaffeeschenk eines Tages am Meeresgestade ging, begegnete er einem Hirten, bei ihm war seine Tochter. Er redete ihn an: „He, Hirte, ist dies deine Tochter?“ Der Hirte antwortete: „Ja, mein Herr.“ Als er sagte: „Ach, Hirte, mein lieber Hirte, dies Mädchen werde ich nach Gottes Anordnung und nach dem hehren Brauch des Propheten heiraten“, antwortete der Hirte: „Ach, mein Herr, ist denn ein Hirtenmädchen Ihrer würdig?“ Da sagte der schöne Kaffeeschenk: „Ich halte dies Mädchen meiner für würdig.“ Schließlich nahm er den Hirten und dies Mädchen mit in sein Haus. Dann rief er die Gemeinde zusammen und heiratete das Mädchen.