Diese wollen wir nun lassen und uns zum Zauberer wenden. Als für ihn der einundvierzigste Tag war, wachte er auf und sieht sich nach allen vier Seiten um. Als er das Mädchen nicht sieht, geht er nach oben in das Zimmer, wo der Jüngling aufgehängt war. Weder der Jüngling noch das Mädchen ist vorhanden. Er sagt: „Ach, du gottloser Bummler, hast das Mädchen mit dir genommen und bist entflohen!“

Er macht sich voller Wut auf den Weg. Nachdem er einen Weg von vierzig Tagen an einem Tage gemacht hat, kommt er in die Stadt, verkleidet sich als Armer und geht vor die Tür des Mädchens und sagt: „Ach Mädchen, nimm mich um Gottes willen auf.“ Das Mädchen hielt ihn für einen Armen und nahm ihn auf. Der Jüngling war außerhalb eingeladen. Nach einer Stunde kommt er und merkt die Geschichte, als er diesen Armen sieht. Der Jüngling stellt sich, als ob er nichts merkte, und geht in sein Zimmer. Als es Abend wird, essen sie und geben dem Armen auch etwas. Kurz, wir wollen die Geschichte nicht in die Länge ziehen. In der Nacht schläft das Mädchen ein. Dem Jüngling kommt kein Schlaf in die Augen. Um vier oder fünf hat der Zauberer auf die in dem Viertel wohnenden Leute Totenerde gestreut und zog rings einen Kreis. Er ging zu dem Jüngling und stellte ihm zu Häupten eine große Flasche mit Totenerde. Der Jüngling fiel auch in Schlaf, so wie ein Toter. Dann ergriff der Zauberer das Mädchen und schlug sie so mit einem Stocke, daß ihr Schreien zum Himmel drang. Da sie keinen Platz zum Entfliehen fand, so drehte sie sich, wie das Himmelsgewölbe um den Jüngling. Der Zauberer lief ihr ohne Verweilen nach. Dem Mädchen blieb keine Kraft mehr. In diesem Spektakel spaltete sich die Wand und eine Stimme rief: „Mädchen, [[98]]was säumst du? Zu Häupten des Jünglings steht eine Flasche, zerbrich sie, und der Jüngling steht auf.“ Als das Mädchen dies hörte, zerbrach sie die Flasche mit dem Fuße. Sofort wacht der Jüngling auf und sieht, daß das Mädchen von dem Schlagen ganz blau ist und zum Himmel schreit. Er sagte: „Bei Gott“, faßt den verfluchten Zauberer, hebt ihn hoch und wirft ihn auf die Erde. Dann stößt er ihm einen Pfahl durch den Nabel und verbrennt ihn ordentlich.

Danach verheiratet er sich mit dem Mädchen, und sie erreichten ihr Verlangen. Damit ist unsere Geschichte zu Ende und somit Schluß.

[[Inhalt]]

10. DIE GESCHICHTE VOM DIEBE UND VOM TASCHENDIEBE

Die Geschichtenüberlieferer und die Märchenerzähler berichten folgendes. In alten Zeiten hatte eine Frau zwei Männer, der eine war ein Dieb, der andere ein Taschendieb. Diese hatten einander noch nie gesehen.

Eines Tages will der Dieb verreisen und läßt sich von seiner Frau ein Blech Pastete machen. Die Frau gibt die Hälfte dem Diebe. Als er sie bekommen hat, macht er sich auf den Weg. Jetzt kommt der Taschendieb nach Hause und sagt zu seiner Frau: „Frau, morgen werde ich verreisen.“ Die Frau gibt ihm die andere Hälfte der Pastete. Er nimmt sie und macht sich auf den Weg. Nach einiger Zeit begegnet er dem Taschendiebe und sagt: „Kamerad, wohin gehst du?“ Der Dieb antwortet: „Ich gehe nach Aleppo, wollen Kameradschaft halten.“ Der ist auch damit einverstanden, und sie machen sich gemeinschaftlich auf den Weg. Nach einiger Zeit hungerten sie und sagten: „Komm, Kamerad, wollen ein wenig essen“ und setzen sich hin. Der Dieb holt aus seinem Sack eine Pastete und legt sie hin. Der Taschendieb holt auch aus seiner Tasche eine Pastete und legt sie hin. Da sieht der Dieb, daß beide eine Pastete sind, auf einem Bleche gebacken. Darauf sagt [[99]]der Dieb: „Diese Pastete hat meine Frau gemacht.“ Der Taschendieb sagt: „Meine Frau hat sie gemacht.“ Der Dieb fragt: „Wie heißt deine Frau?“ Der Taschendieb sagt: „Meine Frau heißt Nasime.“ Der Dieb sagt: „Das ist meine Frau.“ Der andere sagt: „Das ist meine Frau.“ Sie erhitzen sich im Streit, und gehen in ihr Haus. Jetzt sagt der Dieb: „Du, bist du nicht meine Frau?“ Die Frau sagt zu ihm: „Ja.“ Der Taschendieb sagt: „Du, bist du nicht meine Frau?“ Die Frau sagt zu ihm: „Ja.“ Da sagt der Dieb: „Seit so langer Zeit hast du zwei Männer gebraucht, du Herumtreiberin! Sieh mal, hat sie es mir wohl gesagt?“ Sie stehen auf, gehen zum Gericht und erzählen die Sache, wie sie sich verhält, dem Herrn Richter. Der Richter antwortet: „Ihr müßt beide eine Prüfung ablegen. Wer gewinnt, dem gehört die Frau.“ Die gehen wieder in ihr Haus. Eines Tages sagt der Dieb zu seiner Frau: „Gib deine Brosche her, wollen sie beim Goldarbeiter verkaufen und uns Lebensmittel dafür kaufen.“ Der Taschendieb kam von draußen dazu. Der Dieb nimmt die Brosche. Während er auf den Markt geht, gibt ihm der Taschendieb einen Stoß, stiehlt ihm die Brosche und bringt sie nach Hause. Der andere ahnt davon nichts, kommt zum Goldarbeiter, will sie herausholen und zeigen. Da sieht er, daß die Brosche nicht da ist. Er denkt: „Ich habe sie zu Hause gelassen“ und kehrt nach Hause um. Er sagt: „Frau, ich habe die Brosche hier wohl vergessen, gib mir die Brosche.“ Er nimmt sie, und während er geht, stiehlt sie ihm der Taschendieb wieder bei Gelegenheit aus dem Busen und bringt sie nach Hause. Der andere ahnt wieder nichts davon und bringt sie zum Goldarbeiter. Als er sie geben will, sieht er, daß die Brosche nicht da ist. Wieder denkt er: „Merkwürdig, ich muß sie wieder zu Hause vergessen haben“ und kehrt wieder um, Zu Hause sagt er: „Frau, ich habe wieder die Brosche vergessen. Gib sie, ich will sie ordentlich verstecken.“ Er nimmt sie, während der Taschendieb aufpaßt, und bindet sie ums Gesäß und geht auf den Markt. Währenddessen [[100]]kommt der Taschendieb, nimmt ihm den Fes weg und wirft ihn auf das Dach eines Ladens. Der Dieb sieht ihn an: „Was tust du da, du ungebildeter Kerl?“ Der sagte: „Ach, Verzeihung, mein Herr, mir fiel meine Jugend ein. Komm, ich werde auf deine Schulter steigen und ihn herunterholen.“ Der Dieb sieht, daß seine Schuhe schmutzig sind und sagt: „Deine Schuhe sind schmutzig. Ich werde auf deine Schulter steigen und ihn herunterholen.“ Als dieser auf seine Schulter steigt, nimmt er ihm leise die Brosche von seinem Gliede und steckt sie in seinen Busen. Der Dieb kommt zum Goldarbeiter. Als er sie ihm geben will, sieht er, daß die Brosche nicht da ist und ruft aus: „Nanu, was ist denn das mit mir!“

Der Goldschmied sagt: „Willst du dich über mich lustig machen?“ Da wird der Dieb zornig, geht nach Hause und sagt: „Hallo Frau, ich habe die Brosche ordentlich verborgen; jetzt ist sie nicht da. Was ist das wohl mit mir?“ Da kommt der Taschendieb und sagt: „Nun Bruder, hast du es jetzt gesehen. Das ist meine Kunst. Nun zeige mir deine Kunst.“

Der Dieb sagt: „Folge mir.“ Sie stehen auf, gehen auf den Markt, kaufen einen Korb Nägel und einen Hammer, gehen zur Nacht in das Schloß des Padischahs, schlagen Nägel in die Wand, steigen hinauf und auf der anderen Seite der Mauer hinunter. Im Garten war eine Gans. Der Dieb ergreift sie, schlachtet sie und sagt zum Taschendieb: „Ich gehe jetzt in das Zimmer des Padischahs und stehle alles, was dort an wertvollen Gegenständen vorhanden ist. Du mache hier Feuer und brate die Gans.“

Der Dieb geht in das Zimmer, wo der Padischah ist. Da sieht er, daß der Padischah auf seinem Bett liegt und sein Hofmeister zu seinen Füßen ihm die Kniee reibt und gleichzeitig Mastix kaut, damit er nicht einschläft. Der Dieb tritt unbeachtet ein, reißt sich ein Haar aus, steckt es dem Hofmeister in den Mund und nimmt ihm leise den Mastix aus dem Munde. Dann schläft der Hofmeister ein. Sofort [[101]]legt er ihn in den Korb und hängt ihn an der Decke auf, dann geht er hin und reibt die Kniee des Padischahs und sagt zum Padischah: „Mein Padischah, ich werde dir eine Geschichte erzählen, aber du darfst mir nichts tun.“ Der Padischah befiehlt: „Erzähle.“ Er erzählt: