„Mein Padischah, einst gab es einen Dieb und einen Taschendieb. Beide hatten eine Frau. In der Nacht gebrauchte sie den einen und am Tage den andern. — Dreh die Gans um, damit sie nicht anbrennt.[17] — Als die Sache bekannt wurde, kam sie vors Gericht. Dort sagte man: ‚Ihr müßt eine Prüfung ablegen.‘ Der Taschendieb führte seine Sache aus. — Dreh die Gans um, damit sie nicht anbrennt und unser Padischah es merkt! — Der Dieb kommt in dies Schloß. Der Taschendieb briet die Gans, der Dieb steckte den Hofmeister des Padischahs in einen Sack und hängte ihn an die Decke. Er selbst ging zum Padischah und fing an ihm die Kniee zu reiben. — Dreh die Gans um, damit sie nicht anbrennt!“ — Als der Taschendieb dies draußen hört, sagt er: „Wenn der Padischah merkt, daß ich die Gans brate, dann schlägt er uns beiden den Hals ab“, und seine Hände und Füße fangen an zu zittern. Der Padischah sagt: „Hofmeister, was soll das heißen: ‚Dreh die Gans um, damit sie nicht anbrennt!‘ “ Er antwortete: „Mein Herr, das ist eine Redensart. Dann, mein Padischah, kamen sie hierher, verlangten weiter nichts, haben nur Ihre Gans gegessen und aus Ihrem Schlosse nichts genommen und der Dieb hat soviel Mut gezeigt. Wem fällt nun die Frau zu?“ Der Padischah sagte: „Dem Diebe.“ Schließlich schlief der Padischah ein.
Sie gingen wieder in ihr Haus. Als der Padischah aufwachte, rief er seinen Hofmeister. Es war nichts von ihm zu hören. Er fragte nochmals: „Hofmeister, wo bist du?“
Er antwortete: „Ach, mein Herr, an der Decke bin ich.“
Da sagte der Padischah: „Ach, dann war der, der mir in der Nacht die Geschichte erzählt hat, wohl der Dieb.“ [[102]]
Dann ließ der Padischah den Hofmeister herunterholen und sie merkten die ganze Sache. Der Padischah befahl, daß Ausrufer von Viertel zu Viertel gingen. Als der Taschendieb und Dieb dies sahen, sagten sie: „Ja, wir sind es.“ Sofort brachte man sie vor den Padischah. Der Padischah sagte: „Wer von euch ist der Dieb und wer der Taschendieb?“ Der Dieb sagte: „Mein Herr, ich bin der Dieb. Der Taschendieb ist mein Kamerad.“
Der Padischah fragte: „Mein Sohn, warst du es, der in der Nacht neben mir die Geschichte erzählt hat?“
Er antwortete: „Ja, mein Herr, das war ich.“
Man sah im Schlosse nach, nichts fehlte.
Der Padischah sagte: „Ich nehme dich als Diener an. Die Frau gehört dir.“ Er gab dem Diebe und dem Taschendiebe tausend Piaster. Sie gingen in ihr Haus. Der Taschendieb trennte sich von ihnen und ging in ein anderes Land. Der Dieb heiratete von neuem seine Frau, und sie lebten ruhig miteinander. Unsere Geschichte ist auch aus. Damit Schluß.
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