Das Mädchen geht, nimmt die Haut von vierzig Stachelschweinen, zieht sie an und geht ins Schloß. Sogleich verheiratet der Padischah sie mit dem Prinzen und bringt sie ins Hochzeitsgemach. Das Mädchen zündet ein Kohlenbecken an und läßt es vor der Tür des Zimmers und tritt ein.
Die Schlange kommt herein, stürzt sich auf das Mädchen, sticht sich an der Stachelschweinhaut und sagt: „Mädchen, zieh deine Kleider aus.“ Das Mädchen sagt: „Zuerst zieh du deine Kleider aus, dann werde ich meine ausziehen.“ Da fängt der Prinz an, seine Kleider völlig auszuziehen. Als er sie ausgezogen hat, nimmt das Mädchen die Kleider, wirft sie ins Feuer und verbrennt sie. Da sieht sie, daß er ein Jüngling, schön wie der Mond am vierzehnten, ist. Das Mädchen zieht seine Kleider aus, ist dem Prinzen willfährig, und sie umarmen sich. Am Morgen kommen der Vater und die Mutter des Prinzen und wundern sich, als sie das sehen, und danken Gott sehr.
Der Prinz und das Mädchen lebten lange Zeit miteinander. Eines Tages geht der Prinz zu seinem Vater und sagt: „Vater, ich will jetzt in die Fremde gehen. Wenn Gott will, komme ich in zwei Monaten ungefähr wieder“, [[121]]steht auf, geht zum Mädchen, küßt sie auf die Augen, verabschiedet sich und verläßt das Schloß. Nach einem Monat schickt er seiner Mutter einen Brief.
Die Sklavinnen in dem Schloß waren auf das Mädchen neidisch, schrieben, um es zu töten, einen Brief, legten ihn in den Brief des Prinzen und gaben ihn der Königin. Die Mutter denkt: „Von meinem Sohn ist ein Brief gekommen, öffnet ihn und sieht, daß zwei Briefe darin sind. Sie liest den ersten: er enthält nur Grüße. Sie öffnet den andern und liest ihn. Darin steht geschrieben: „Schlagt meiner Frau die Hände und Füße ab und werft sie hinaus.“ Als die Mutter das las, wunderte sie sich. Nun hatte das Mädchen an der Tür gehorcht, tritt ein und sagt: „Mutter, bevor mir die Hände und Füße abgeschlagen werden, will ich gehen.“ Dann verläßt sie das Schloß und geht in die Berge.
Nach einiger Zeit kommt sie an einen Ort, wo Särge stehen, sie tritt ein und legt sich schlafen. Als sie sich umsieht, erblickt sie in einem Sarge neben sich, einen Jüngling liegen. Der Jüngling steht auf, geht zum Mädchen und sagt: „Heh, Mädchen, wie bist du hierher gekommen, ohne dich zu fürchten? Jetzt wird eine Taube kommen. Wenn die dich hier sieht, tötet sie dich. Aber komm her, ich werde dich in diesem Sarge verstecken.“ Er nimmt das Mädchen, geht an den Platz, wo die Särge stehen, dort umarmen sie sich und vereinen sich. Da wurde das Mädchen von diesem Jüngling schwanger. Dann geht der Jüngling in seinen Sarg und legt sich schlafen. Nach einiger Zeit kommt eine Taube und bringt dem Jüngling Nahrung und fliegt wieder davon. Kurz, er ißt mit dem Mädchen von der Nahrung, die der Vogel gebracht hat, und sie leben vergnügt. Als die Zeit zu gebären für das Mädchen kommt, sagt der Jüngling: „Mädchen, jetzt gehe auf diesem Wege gerade aus. Dann kommt eine Quelle. An diese Quelle setze dich. Vor ihr ist ein Palast. Von dort kommt ein Mädchen, um Wasser zu holen. Du mußt ihr sagen: ‚Bachtijars wegen nehmt mich in das Haus, ich [[122]]werde gebären.‘ Sie werden dich aufnehmen und du wirst in meinem Zimmer niederkommen, dann werde ich kommen und dem Kinde einen Namen geben.“
Das Mädchen stand auf, ging zu der beschriebenen Quelle, stieg auf den Stein und wartete. Nach einiger Zeit kommt aus dem Palast eine Sklavin mit schön gearbeiteten Holzschuhen und zwei Wasserbehältern in ihren Händen, um Wasser zu holen. Als das Mädchen die Sklavin sieht, sagt sie: „Ach, Schwester, Bachtijars wegen nehmt mich auf, ich werde gebären.“ Die Sklavin ging ins Schloß und erzählte es der Königin. Die sagte: „Ach, meine Tochter, die Dame kennt meinen Sohn Bachtijar und hat auch bei ihm geschworen, sofort bringe sie her.“ Die Sklavin ging wieder zu dem Mädchen und sagte: „Ach, Schwester, ich habe es der Herrin gesagt. Sie will dich sehen. Komm, wir wollen gehen.“ Sie gehen in das Schloß, steigen die Treppen hinauf und das Mädchen geht zu der Königin. Das Zimmer ihres Sohnes Bachtijar war leer. Sie bringt das Mädchen ordentlich in dem Zimmer unter. Dort kommt sie nieder und bringt einen allerliebsten Jungen zur Welt. Um Mitternacht kommt der Jüngling und sagt: „Meine Prinzessin, mein Sohn soll Havbetjar heißen.“ Dann geht er wieder. In der zweiten Nacht legt die Schwester des Jünglings das Kind in die Wiege. Als sie es zum Schlafen gebracht hat, kommt der Jüngling und fragt: „Meine Prinzessin, was macht mein Havbetjar?“ Das Mädchen antwortete: „Deine Schwester wiegt ihn, er schläft, mein Bachtijar.“ Nun hörte der Jüngling seine Schwester von innen und geht weg. Am nächsten Morgen geht die Schwester hin und erzählt der Mutter und der älteren Schwester alles. Die Mutter sagt: „Ach, mein Sohn ist mir seit seiner frühsten Kindheit genommen. Das Mädchen, das wir aufgenommen haben, ist in sein Zimmer gekommen, und sie pflegen dort der Liebe. Aber morgen in der Nacht werde ich kommen und das Kind wiegen.“ In der zweiten Nacht kommt die älteste Schwester des Jünglings [[123]]ins Zimmer und wiegt das Kind. Als das Mädchen hinausgegangen ist, kommt der Jüngling und sagt: „Meine Prinzessin, was macht mein Havbetjar?“ Das Mädchen sagt zu Bachtijar: „Deine ältere Schwester wiegt es, es schläft.“ Die ältere Schwester des Jünglings hatte von innen gelauscht. Dann geht der Jüngling. Am Morgen geht sie in das Zimmer des Mädchens und ist sehr freundlich mit ihr. An der Decke des Zimmers nagelten sie einen schwarzen Stoff, aus einem Stück, und ließen darauf aus ausgestreuter Bronze dreieckige Sterne machen. Um Mitternacht kam der Jüngling und sagte: „Meine Prinzessin, was macht mein Havbetjar?“ Das Mädchen sagte: „Deine Mutter wiegt ihn, er schläft, mein Bachtijar.“ Sogleich kommt seine Mutter aus dem Zimmer, umarmt den Sohn und nimmt ihn hinein. Der Jüngling sagt: „Mutter, ich will nun wieder an meinen Platz gehen. Wenn der Vogel sieht, daß ich hierhergegangen bin, tötet er mich.“ Die Mutter sagte: „Mein Sohn, es ist noch früh. Sieh, die Sterne stehen noch.“ Der Jüngling hielt das für wahr und sie setzten sich mit der Mutter hin. Am Morgen kommt der Vogel, schlägt ans Fenster und sagt: „Heh, mein Bachtijar, die Mauer, die ich berührt habe, soll einfallen.“ Kaum sagt er das, da fällt die Mauer mit Krachen ein. Der Vogel sagt wieder: „Die Zweige, auf denen ich sitze, sollen vertrocknen.“ Da trocknet der Baum ein und seine Blätter fallen ab. Während der Vogel so aus Wut immer weiter sprach, zerplatzte er.
Da sagte der Jüngling: „Gott sei Dank, der Vogel ist tot und ich bin gerettet.“ Die Mutter umarmte ihren Sohn und küßte ihn auf die Augen und verheiratete dies Mädchen mit ihm. Vierzig Tage und vierzig Nächte dauerten die Hochzeitsfestlichkeiten. In der Nacht auf den einundvierzigsten Tag führte man Bachtijar in das Brautgemach. Dort vergnügten sich die beiden.
Nach einigen Monaten ging Bachtijar in das Kaffeehaus der Stadt und setzte sich dorthin. Die mögen nun dort sitzen. Wir wollen uns zum Prinzen wenden. [[124]]
Als er von seiner Reise heimkehrte, ging er zu seiner Mutter, küßte ihr die Hand und fragte sie nach ihrem Befinden. Danach sagte sie: „Mein Sohn, du hattest einen Brief geschrieben, wir sollten dem Mädchen Arme und Beine brechen. Als das Mädchen das hörte, kam sie zu mir und sagte: ‚Mutter, bevor du mir Hände und Beine brichst, will ich gehen‘, verließ das Schloß und ging in die Berge. Ist es nicht schade um das Mädchen? Warum hast du das getan?“
Als der Prinz das hörte, sagte er: „Aber Mutter, ich habe derartiges nicht geschrieben. Da ist sicherlich eine Feindseligkeit im Spiele. Danach soll mir nun der Aufenthalt hier verwehrt bleiben.“