Dann ging er weinend weg in die Berge, um das Mädchen zu suchen. Schließlich kam er in das Land Bachtijars und kehrte am Abend in das Kaffeehaus der Stadt ein. Er grüßte und setzte sich. Nun war auch gerade Bachtijar in dem Kaffeehause. Als der Prinz den Leuten dort diese Angelegenheit erzählte, vernahm Bachtijar die Sache. Sofort ging er zu dem Prinzen und fing an ihn genau auszufragen. Nach einiger Zeit verstand er alles. Er sagte: „Mein Prinz, besuchen Sie mich. Wir wollen eine Schale Suppe miteinander trinken.“ Der Prinz sagte: „Komm, wollen gehen.“ Sofort verließen sie das Kaffeehaus, gingen in den Palast und blieben in einem Zimmer. Nachher aßen sie die Mahlzeit und nachdem sie es sich bequem gemacht hatten, erzählte Bachtijar dem Prinzen die Sache von Anfang bis zu Ende. Dann ging Bachtijar aus dem Zimmer und sagte zu dem Mädchen: „Meine Prinzessin, der eben Angekommene ist dein erster Mann. Ich werde hineingehen und mich hinsetzen. Du überlege es dir, komme durch die Türe herein und gehe zu dem, den du von uns beiden willst, und setze dich da hin. Aber wisse, wenn du weggehst, werde ich dir das Kind nicht geben sondern hier behalten.“ Da trat er ein und setzte sich auf das Polster. Sie sah durch den Spalt der Türe. Als sie den Prinzen sah, trat sie ein, [[125]]ging sofort zu dem Prinzen und setzte sich neben ihn. Als Bachtijar dies sah, sagte er: „Gott möge seinen Segen geben, mein Prinz“, blieb nicht mehr länger im Zimmer und ging hinaus.

Der Prinz blieb die Nacht dort, am Morgen nahm er das Mädchen mit sich und brachte es ins Schloß. Das Mädchen erzählte die ganze Sache dem Prinzen. Dann wurde in der Nacht von neuem die Ehe geschlossen. Vierzig Tage und vierzig Nächte dauerten die Hochzeitsfestlichkeiten. In der Nacht auf den einundvierzigsten Tag trat er in das Hochzeitsgemach und die beiden Verliebten erreichten ihr Verlangen. Die Geschichte ist damit nun auch aus und damit Schluß.

[[Inhalt]]

15. DER DANKBARE FUCHS

Einst lebte ein Müller, der eine große Liebhaberei für Hühner hatte. Er hielt sich drei bis fünf Hühner. Ein Fuchs kommt und frißt sie auf. Ein paar Tage sah er sich das an, dann grub er eine Grube und setzte die Hühner dort hinein. Der Fuchs kommt, sieht, daß die Hühner in der Grube sind, springt hinein, sieht sich um, kann aber die Hühner nicht fressen. — Wenn er sie gefressen hätte, würde er von dem Müller Prügel bekommen haben.

Am Morgen kommt der Müller und sieht die Geschichte. Der Fuchs sagt in der Grube: „Ach, schlage mich nicht. Ich werde dir eine Wohltat tun, fasse mich an der Hand.“ Der sagt: „Du Verfluchter, du hast mir meine Hühner aufgefressen. Was für eine Wohltat solltest du mir wohl erweisen?“ Er sagt: „Ach, fasse mich nur an. Ich werde dir wirklich eine große Wohltat erweisen.“ Da faßt er den Fuchs an der Hand und zieht ihn heraus. Sie gehen beide zur Mühle. Der Fuchs sagte zum Müller: „Du, setze dich hier hin und gib mir fünf bis zehn Medschidije.“[23] Der gab ihm die fünf bis zehn Medschidije. Der Fuchs nahm sie und ging zum Schloß des Padischahs von Indien. Als er [[126]]angekommen ist, klopft er an die Tür. Der Diener kommt heraus.

Der Fuchs sagt: „Der Staubpadischah läßt grüßen. Wollt Ihr Euer Maß zum Medschidijemessen ihm geben? Unser Staubpadischah wird die Medschidije messen und ich werde es wieder bringen.“ Dann nimmt er das Medschidijemaß und macht sich auf den Weg. Drei bis fünf Tage verweilt er irgendwo, dann geht er wieder zum Schloß des Padischahs von Indien, legt die Medschidije in das Maß und übergibt es mit den Worten: „Da habt ihr euer Maß!“ Man fragt: „Was sollen diese Medschidije?“ Er antwortet: „Davon hat er bergeweise. Komm nur und sieh sie dir an. Es macht nichts.“ Er gab das Maß mit den Medschidije dem Padischah von Indien, kehrte um, und kam wieder zum Müller.

Einen Tag verweilte er, am zweiten Tage sagte er: „Gib mir fünf bis zehn Goldpfunde!“ Der Müller sagte: „Du willst mich wohl bankrott machen? Mach, daß du weg kommst. Ich gebe dir nicht die Pfunde.“ Der Fuchs sagte: „Aber, Staubpadischah, überlege dir doch, was ich dir für eine Wohltat erweisen werde. Geh, sei nicht so, gib mir die fünf bis zehn Pfunde.“ Der gab unwillig die fünf bis zehn Pfunde. Der Fuchs nahm sie und ging wieder zum Schloß des Padischahs von Indien und klopfte an. Die Diener kamen heraus. Er sagte: „Gebt mir euer Maß zum Pfundemessen. Unser Herr Staubpadischah will Pfunde messen. Gebt das Maß; ich bringe es gleich wieder.“ Er nahm das Pfundmaß und ging weg. Unterwegs verweilte er irgendwo drei bis fünf Tage, dann lief er wieder zu dem Schloß des Padischahs von Indien und klopfte an die Tür. Der Diener kam heraus. Der Fuchs hatte die Pfunde hineingelegt und übergab es so. Die Diener sagten: „Was sollen diese Pfunde?“ Er antwortete: „Davon hat er haufenweise wie auf einer Tenne.“ Dann kehrt er wieder zum Müller zurück. Der fragt: „Wo sind meine Medschidije und Pfunde, die ich dir gegeben habe?“ Der Fuchs antwortet: [[127]]„Warte nur! Die Schärfe des Rettigs kommt erst nachher zum Vorschein.“ Dann erbittet er sich zehn Tage Urlaub und geht in die Stadt. Der Fuchs läßt die Ausrufer ausrufen: „Jeder soll sich bereit halten! Wir wollen zur Tochter des Padischahs von Indien gehen, um Scherbet zu trinken.“ Der Ausrufer ruft aus: „Am dritten Tage soll jeder da und da hin gehen!“ Am dritten Tage machen sie sich zu Fuß auf den Weg und tun so, als ob Fünfhunderttausend auf Pferden und Maultieren hinter ihnen wären. Der Fuchs vor ihnen als Oberherold — der Fuchs ist natürlich nun schon Herold geworden. — Der Fuchs führt sie drei bis fünf Tage. Er kommt in einen großen Morast. Ein Regenguß kam und ertränkte viele Menschen in dem Sumpf. Er selbst eilt vor und kommt zum Padischah von Indien und sagt: „Gott sei Dank! Es ist niemand gestorben. Aber soviel Sachen und Schmuckgegenstände sind verloren gegangen.“ Da sagt der Padischah von Indien: „Geht zu den Schneidern, nehmt alles zusammen, was an Kleidern vorhanden ist. Für soviel Menschen sollen neue Kleider kommen.“ Besonders für den Staubpadischah kommt ein Kleid, das sich nicht beschreiben läßt. Der Padischah befiehlt: „Der Schneider soll es nähen!“ Es wird genäht. Alles wird auf Wagen und Landauern verladen und dorthin gebracht. Der Herold Fuchs eilt voraus und kommt dort schnell an und sagt: „Ich habe eine feine Geschichte eingefädelt.“ Dann eilt er wieder zu den Wagen zurück und sagt: „Macht schnell, soviel Leute liegen im Freien.“ Sie nehmen die Wagen und Landauer und kommen zu jenen Leuten. Die steigen ein und kommen zum Schloß des Padischahs von Indien. Draußen werden Zelte aufgeschlagen. Fünfzehn bis Zwanzig treten ein, für einen jeden werden die Zelte verteilt. Der Padischah von Indien fragt: „Was ist das für eine Menge?“ Der Herold Fuchs kommt sofort und sagt: „Das ist das Gefolge des Staubpadischahs.“ Dann geht er wieder zu ihnen und sagt: „Vorwärts, sie sollen gehen und um die [[128]]Tochter des Padischahs von Indien werben!“ Da gehen fünf bis zehn Hodschas für den Staubpadischah zum Schlosse des Padischahs von Indien und sagen: „Auf Allahs Befehl wünschen wir von dir deine Tochter für den Herrn Staubpadischah. Was wirst du sagen?“ Der antwortet: „Wenn es das Schicksal so will, was soll ich sagen?“ Dann trinken sie Scherbet, erheben sich und gehen wieder zurück. Der Fuchs sagt: „Geben Sie mir drei Tage Urlaub.“ Sein Herr gibt ihm Urlaub. Am Vierten kommt der Herold Fuchs zurück, geht zum Padischah von Indien und sagt: „Mein Herr, wir wollten die Hochzeit zurichten, haben aber, als wir hierherkamen, soviel Waren und Sachen und so viele Pfunde durch den Regenguß verloren.“ Da sagt der Padischah von Indien: „Das macht nichts, wenn wir auch nicht viel Geld haben, so wollen wir doch die Hochzeit hier machen.“ Sie fingen an, die Hochzeit zuzubereiten. Vierzig Tage und vierzig Nächte dauert die Hochzeit. Alle Kosten bezahlt der Padischah von Indien. Er läßt für fünfhunderttausend Leute echte silbergestickte Kleider nähen.

Nachdem die Hochzeitsfeste vierzig Tage und vierzig Nächte gedauert haben, bringt man den Staubpadischah dorthin. Der Herold Fuchs geht hin und fragt leise den Staubpadischah: „Wie geht es dir?“ Der sagt: „Gut.“ Dann brechen sie auf und machen sich mit den fünfhunderttausend Leuten auf den Weg. Der Padischah von Indien füllt ihnen die Kisten mit Pfunden. Fünf bis zehn Leute vom Padischah von Indien gehen zur Begleitung seiner Tochter mit ihnen. Der Herold Fuchs hatte sich eine Stunde vor ihnen auf den Weg gemacht. Unterwegs sieht er auf einer Ebene, daß Hirten Kamele und Stuten weiden. Der Herold Fuchs geht zu den Hirten und sagt: „Seht ihr die dort Ankommenden?“ Die Hirten sagen: „Wer ist das?“ Er antwortet: „Die kommen, um euch zu überfallen. Wenn sie fragen: ‚Wem gehören diese Stuten und Kamele?‘ so sagt: ‚Unserm Herrn Staubpadischah.‘“ Die kommen [[129]]und fragen die Hirten: „Wem gehören diese Stuten und Kamele?“ Die Hirten antworten: „Diese Kamele und Stuten gehören unserem Herrn Staubpadischah.“ Die ziehen weiter.

Der Herold Fuchs ist wieder eine Stunde voraus. Auf einer Ebene sind soviel Schafhirten und Rinderhirten. Der Herold Fuchs eilt zu ihnen und sagt: „Seht ihr die dort Ankommenden? Die kommen, um euch zu überfallen. Wenn sie fragen, wem gehört dies alles, so antwortet: ‚Unserm Herrn Staubpadischah‘. Dann werdet ihr gerettet sein.“ Die ziehen vorüber. Der Herold Fuchs ist wieder eine Stunde voraus. Er kommt an eine Dev-Wohnung. Die Deve sind im Hause. Er sagt zu den Deven: „Kommt, verbergt euch. Die da ankommen, wollen euch überfallen.“ Die Deve sagen: „Um Himmelswillen, verbirg uns!“ Da nimmt der Herold Fuchs die Deve, legt Heu in die Wohnung und zündet es an. Die Deve fliegen alle in die Luft und verbrennen vollständig.