Dann geht der Herold Fuchs schnell den Ankommenden entgegen und sagt zu den fünfhunderttausend Leuten: „Fürchtet nichts! Es ist nichts! Was uns zustoßen wird, soll nur unserm Besitz zustoßen!“ Als die von dem Padischah von Indien geschickten Leute kommen, sehen sie: Ein großes Schloß ist verbrannt und verschwunden. Da sagen die Leute, die mit der Tochter des Padischahs von Indien gekommen waren: „Was machts? Was brennt, mag brennen. Wir bauen es wieder. Wir wollen schnell einen Palast mieten.“ Dann mieten sie schnell einen großen Palast und sagen: „Bitte, Staubpadischah!“ Sie ziehen ein und holen das Fehlende von den Kaufleuten. Alles Geld bezahlen die Leute, die von dem Padischah von Indien gekommen sind. Vierzehn Tage leben sie vergnügt. Dann bitten sie um Urlaub. Man verabschiedet sich. Sie machen sich auf den Heimweg, die andern bleiben allein zurück.

Eines Tages sagt der Herold Fuchs aufrichtig: „Halt, ich werde krank.“ Der Herold Fuchs wird krank. Die [[130]]Diener sagen: „Herr, unser Herold Fuchs ist krank geworden.“ Der Staubpadischah sagt: „Halt, wollen doch einmal sehen!“ Sie gehen hin. Der Herold Fuchs ist tot. Sie kommen wieder und bringen die Kunde: „Der Herold Fuchs ist tot.“ Der Staubpadischah sagt: „Zieht ihn an seinem Bein herunter.“ Da steht der Herold Fuchs auf und sagt: „Ich habe dir soviel Gutes getan, wie kannst du mich an meinem Bein ziehen.“ Da sagt der Staubpadischah: „Ich wußte, daß du nicht gestorben warst und habe einen Scherz gemacht.“

Nach einigen Tagen stirbt der Herold Fuchs wirklich. Die Diener kommen schnell und bringen dem Staubpadischah die Kunde: „Unser Herold Fuchs ist gestorben.“ Der denkt, er verstellt sich wieder. Der Staubpadischah geht zum Herold Fuchs und ruft leise: „Herold Fuchs!“ Vom Herold Fuchs war nichts zu vernehmen. Er war wirklich tot. Sie sagen zum Staubpadischah: „Unser Herold Fuchs ist tot.“ Der sagt: „Ein Imam soll schnell kommen.“ Der Imam kommt, wäscht den Herold Fuchs und wickelt ihn ordentlich ein. Dann begräbt man ihn. Der Staubpadischah und die Tochter des Padischahs von Indien lebten vergnügt in dem großen Schlosse. Das ist die Wohltat, die der Herold Fuchs getan hat.

[[Inhalt]]

16. DIE GESCHICHTE VOM DSCHIHANSCHAH

Es gab einen Padischah, der Dschihanschah hieß. Einst sagte er: „Ich will das andere Ende dieser Welt finden“ und nahm einen Dampfer, Soldaten und Lebensmittel mit sich und fuhr über’s Meer. Unterwegs kommt ein Sturm. Nach drei bis fünf Monaten kommt er in ein Land. Die Soldaten, die er bei sich hatte, waren umgekommen, er war allein ohne Lebensmittel übriggeblieben. Als er so dahingeht, kommt er in ein Dorf und bleibt als Gast bei einem Manne. Als er am Morgen aufsteht, ruft ein Ausrufer: „Ist jemand da, der für eine Stunde Arbeit einen neuen Anzug, tausend Piaster und [[131]]ein schönes Mädchen sich verdienen will?“ Da er unerfahren und in Not ist, sagt er: „Ich will es tun.“ Er empfängt den Anzug, das Geld und das Mädchen.

Der Mann, der ihm den Anzug, das Geld und das Mädchen gegeben hat, sagt: „Komm, ich werde dich an einen Ort führen.“ Er gibt ihm ein Pferd, besteigt selber eins, nimmt sich noch zehn Pferde und zwei Leute dazu. So ziehen sie in die Berge, kommen an einen felsigen Ort und steigen vom Pferde. Dann tötet er ein Pferd, zieht ihm das Fell ab, schneidet den Bauch auf, nimmt die Eingeweide heraus und sagt zum Dschihanschah: „Zieh dich aus.“ Der sagt: „Was soll ich tun?“ Der andere antwortet: „Du wirst in den Bauch des Pferdes gehen, eine Stunde schlafen und mir dann genau sagen, was du im Traum gesehen hast.“ Der zieht sich aus, läßt Geld und Kleidung zurück und geht nackt in den Bauch des Pferdes. Der Mensch näht die Haut zu und versteckt sich mit den andern in einem Hinterhalt. Von dem Berge kommen große Vögel, nehmen das tote Pferd mit dem Dschihanschah darinnen, und tragen sie weg. Auf der Spitze des Berges zerreißen die Vögel das Pferd. Der Schah kommt aus dem Innern heraus und die Vögel zerstreuen sich. Er sieht, daß es nicht die Stelle ist, wo er sich hat einnähen lassen, geht bis an den Rand des Felsens und sieht sich um. Da sieht er die Leute mit den Pferden. Die rufen ihm von unten zu: „Wirf uns von den dort befindlichen Steinen einige herunter. Ich werde dir dann den Weg beschreiben, komm dann herunter.“ Der Dschihanschah wirft die Steine herunter. Die Leute sammeln die Steine, packen sie in Säcke, legen sie auf die Pferde und gehen wieder in ihr Dorf zurück. Der Dschihanschah bleibt dort, sucht überall einen Weg, findet aber keinen. Nach einiger Zeit findet er einen Abstieg. Er nimmt zwei Knochen in die Hand und stützt sich damit auf dem Abstieg. Während er hinabsteigt, hört der Weg auf, so daß noch eine Entfernung von zwei Minarets Höhe bis zum Boden übrigbleibt. Er wirft sich hinab. [[132]]Allah bewahrt ihn vor dem Tode, er fällt herunter und wird ohnmächtig. Als er wieder zu sich kommt, sieht er, daß er bei Tagesanbruch den Berg herabgestiegen ist und bei Sonnenuntergang wieder zu sich gekommen ist. Es war unmöglich, weder vom Lande, noch vom Meere, diesen Ort zu finden. Er sieht sich um und erblickt in der Ferne ein Schloß. Während er überall den Weg sucht, findet er es, öffnet die Tür und geht hinein. Da sieht er einen wohlbeleibten, schönen, weißbärtigen Mann. Als der den Dschihanschah sieht, steht er auf und fragt ihn: „Aber, Menschenssohn, wie kommst du hierher?“ Der erzählt ihm sein Erlebnis. Der in dem Schlosse wohnende weißbärtige Alte sagt: „Mein Sohn, nimm diesen Schlüssel, öffne jede Tür, aber jene Tür dort, öffne nicht, denn in drei Tagen komme ich wieder. Aber jene Tür öffne ja nicht.“ Der weißbärtige Alte geht weg. Der Dschihanschah denkt: „Ach, was sollte geschehen. Ich habe schon soviel Unglück erlebt, da will ich auch diese Tür öffnen. Mag geschehen, was will.“ Er öffnet die Tür, tritt ein und sieht, daß in der Mitte ein Wasserbecken ist und rings darum ein Rosengarten. In den übrigen Räumen, deren Türen er geöffnet hatte, war nichts so Schönes, und keine Nachtigall ließ sich dort hören. Indem er am Rande des Wasserbeckens spazieren geht, setzt er sich unter einen Rosenbaum. Da kommt eine Taube und setzt sich auf den Stein des Beckens. Dann sieht er, daß sie ein Mädchen wird und daß noch eine, und noch eine Taube kommt. Die drei Tauben werden Mädchen. Das älteste Mädchen sagt: „Seht euch um, ob kein Mensch hier ist.“ Die jüngste sagt: „Seit Sultan Solimans Zeiten ist kein Mensch hierhergekommen. Zieht euch nur aus!“ Sie ziehen sich aus. Als die jüngste sich auszieht, verliert der Dschihanschah die Besinnung und wird ohnmächtig. Diese Tauben kamen einmal im Jahre zu jenem Becken, badeten sich und gingen dann wieder weg. Nachdem sie sich nun gebadet hatten, gingen sie auch wieder weg. [[133]]

Als der weißbärtige Alte wieder kam, sah er, daß der Dschihanschah nicht im Schlosse ist. Er suchte ihn überall, konnte ihn aber nicht finden. Da kommt ihm in den Sinn: „Vielleicht hat er die Tür, von der ich gesagt hatte ‚öffne sie nicht‘, geöffnet und ist eingetreten, und dann ist ihm ein Unglück zugestoßen.“ Er fing an, im Garten zu suchen. Während er suchte, sah er ihn unter einem Rosenbaum liegen. Er ging hin, schüttelte ihn, hob ihn auf und fragte: „Was ist dir geschehen?“ Der sagte: „Ach, Vater, ich will alles tun, was du willst, aber sage mir, wie ich das jüngste Mädchen bekommen kann. Ich will dir mein ganzes Leben dienen, aber verschaffe mir dies Mädchen.“ Der sagte: „Das sind Peris. Sie kommen einmal im Jahre hierher, baden sich in diesem Becken und gehen dann fort. Sogar wenn ich hier bin, kommen sie nicht. Nur wenn ich im Jahre die Regierung über die Vögel ausübe, kommen sie, wenn ich dazu weggegangen bin, in Gestalt von Tauben. Wenn du noch ein Jahr wartest, kommen sie wieder, so, wie du es jetzt gesehen hast. Wenn das jüngste Mädchen ihr Hemd ausgezogen hat, nimm das Hemd, und wenn sie dich auch noch so sehr bittet, laß dich nicht täuschen und gib es nicht, ehe sie dir ein Kind geboren hat.

Der Dschihanschah wartet ein Jahr. Nach einem Jahre geht der Herr des Schlosses zu den Vögeln und übergibt ihm die Schlüssel. Wie das erstemal öffnet er die Tür, verbirgt sich unter dem Rosenbaum. Die Tauben kommen und ziehen sich aus. Der Dschihanschah nimmt das Hemd des jüngsten Mädchens, geht weg und setzt sich unter den Rosenbaum. Die älteren Mädchen ziehen sich an und fliegen weg. Das jüngste Mädchen fleht: „Ach, gib mir mein Hemde und ich will dir angehören.“ Der Dschihanschah gibt es ihr nicht, bis der Herr des Schlosses kommt. Der kommt. Das Mädchen sagt: „Verheirate mich mit dem Dschihanschah.“ Der Dschihanschah sagt: „In Gegenwart meines Vaters will ich die Hochzeit machen. Hier gehe ich nicht ins Hochzeitsgemach.“ Der Schloßbesitzer [[134]]ermahnt den Dschihanschah: „Paß auf, gib ihr nicht das Hemd.“ Das Mädchen nimmt ihn auf den Rücken und fliegt in die Luft, zeigt auf eine Stadt und fragt: „Welche Stadt ist das?“ Der Dschihanschah sagt: „Das ist meines Vaters Stadt.“ Das Mädchen steigt mit dem Dschihanschah zusammen herab. Der Vater und die Mutter des Dschihanschah sehen ihren Sohn nach drei Jahren mit einem schönen Mädchen zusammen. Sie begrüßen ihn und fragen: „Aber, Kind, woher kommst du?“

Der Dschihanschah befiehlt: „Spaltet einen Marmorstein.“ In die Spalte steckt er das Hemd. Dann befiehlt er: „Es soll ein Schloß gebaut werden.“ Diesen Stein macht er zum Grundstein des Schlosses. Er läßt das Schloß bauen und die Hochzeit zurichten. Er beendigt das Schloß und auch die Hochzeitszurichtungen. Dann bringt man das Mädchen ins Schloß. Als es eintritt, riecht es den Geruch seines Hemdes, nimmt aus dem Stein unter dem Grundstein das Hemd, fliegt auf das Fenstergesims und verbleibt dort.