Ich setze meine Hoffnung auf euch beide.

Ach, kommt und gebt mir meine Freiheit wieder!

Matt ist mein Geist und müde sind die Glieder.“

Die beiden Brüder sprangen auf, zerbrachen die Tür des Köschks[32] und stiegen nach oben, öffneten die Tür des Zimmers und traten ein. Eine bleiche Frau, deren Haare über die Schultern fielen, streckte ihre in Ketten liegenden [[167]]Arme der Türe entgegen und wartete auf sie unter Tränen. Sie stürzten sich sofort in diese heiligen Arme.

Die Frau sagte: „Ach, meine Kinder, ich bin eure Mutter.“

Sie waren verwirrt, konnten es nicht glauben und hielten es für einen Traum.

Es war jedoch kein Traum, sondern Wahrheit. Der Gesandte, der Uludsch Begum geraubt hatte, hatte sie, weil sie ihrem Manne treu blieb, in seinem Harem eingekerkert. Der Gesandte ließ immer, wenn er wegging, für seinen Palast zwei Wächter zurück. Uludsch Begum, die sich in zehn Jahren dem Perser nicht hingegeben hatte und in den Nächten aus Kummer über ihre Kinder nicht hatte schlafen können, hatte der Poesie der unten plaudernden jungen Wächter zugehört und erkannte, daß es ihre Söhne seien. Sie holte sie hinein, und sie fingen an zusammenzuleben. Der Gedanke an ihren unglücklichen Vater Hassan Bej minderte ihre Freude. Sie beteten, daß er gesund sein möge.

Uludsch Begum tröstete ihre Kinder und sagte: „Sorgt euch nicht. Ich glaube nicht, daß er gestorben ist, da wir uns ja wiedergefunden haben. Der große Gott wird uns auch mit ihm vereinigen.“

Die Tage des Glücks vergehen schnell. Eines Tages kam der Gesandte. Als er erfuhr, daß die beiden Wächter im Harem seien, hielt er es vor Zorn und Wut nicht einmal mehr nötig, Untersuchungen anzustellen, sondern lief in das Schloß, beklagte sich beim Schah und flehte, daß die beiden Wächter, die seine Ehre angegriffen hätten, und die Frau sofort hingerichtet werden sollten. Der Schah war ein sehr weiser und bedächtiger Mann und sagte: „Ohne richterliches Verfahren gibt es keine Hinrichtung. Wir wollen sie hierher holen und fragen, warum sie dies Verbrechen begangen haben. Nachdem wir ihre Antwort angehört haben, wollen wir sie aufhängen.“

Der Gesandte konnte nicht widersprechen. So wurde denn ein Rat zusammengerufen. Die Soldaten gingen hin und holten Uludsch Begum und ihre beiden Söhne. Die [[168]]Untersuchung verlief sehr tragisch. Als Uludsch Begum auseinandersetzte, wie sie ihre Kinder gefunden und wie der Gesandte sie aus ihrem Heim geraubt habe, weinte die ganze Versammlung.