Währenddessen stand der Hofdichter des Schahs, Hassan Bej, auf und umarmte Uludsch Begum und seine beiden Söhne mit den Worten: „Ach, meine Frau, ach, meine Söhne!“
Der Schah war über dies Ereignis so aufgeregt, daß er, ohne auf die Fürbitte Hassan Bejs zu hören, sofort den Gesandten aufhängen ließ, seinen Palast dem Hassan Bej schenkte und ihn zum Großvezir machte.
Hassan Bej, Uludsch Begum und ihre beiden Kinder waren nun glücklich. Alle vergaßen das Unglück, das sie in zehn Jahren durchgemacht hatten. Tatsächlich vergißt man ein Unglück schnell. Hassan Bej dankte Gott, daß er das ihm bestimmte Unglück in seiner Jugend sich gewünscht hatte. Hätte er es sich in seinem Alter gewünscht, hätte er dann wohl solche Glückstage erleben und solches Glück kosten können? Hassan Bej blieb nicht allein Vezir. Der Schah hatte keinen Sohn. So machte er seinen Großvezir zum Nachfolger. Nach einem Jahr starb er und Hassan Bej wurde Schah über die persischen Lande. So war auch der persische Thron wie die Throne von ganz Asien auf die türkische Rasse übergegangen. Noch heute sitzt auf dem persischen Thron wie auf den Thronen ganz Asiens ein Sohn der großen türkischen Rasse.
[[Inhalt]]
21. DER OBERSTERNDEUTER
Es war einmal ein sehr armer Mann, der sein Leben damit fristete, alte zerrissene Stiefel auszubessern. Dieser arme unglückliche Mann hatte eine ebenso unglückliche Frau und eine Tochter.
Eines Tages ging die Frau dieses Armen mit ihrer Tochter ins Bad, um sich zu baden. Sie treten in die Badezelle. Während sie anfangen wollen zu baden, kommt die Badefrau [[169]]und sagt, daß sie aufstehen müssen, weil die Frau des Obersterndeuters sich dort baden will. Die Armen verlassen den Raum und gehen in einen anderen. Dort rüsten sie alles zu und lassen das Wasser laufen. Gerade als sie sich baden wollen, kommt wieder die Badefrau und erklärt, daß diese Zelle für das Fräulein Tochter der Obersterndeuterin bestimmt sei. Sie gehen in eine andere. Dort war nun gerade die erste Verwalterin der Obersterndeuterin, eine vierte war für die Sklavinnen, eine fünfte für die Dienerinnen, eine sechste und siebente usw. für die Familienangehörigen der Obersterndeuterin bestimmt. Überall werden sie so fortgejagt. Daraufhin ärgert sich die Frau, sie wird aufgeregt und kehrt zornig in ihr Haus zurück.
Am Abend kommt der arme Schuhflicker, der eine mit Mühe und Not verdiente Okka Brot in sein Kattuntaschentuch gewickelt und ein Bund Zwiebeln am Ende seines Stockes aufgehängt hat, und klopft an die Tür.
Die Frau öffnet ihrem Manne die Tür, aber gleichzeitig öffnet sich auch ihr Mund. Der unglückliche Mann weiß nicht, was die Veranlassung zu diesem Empfange gewesen ist, und wünscht Aufklärung. Die Frau erklärt ihm die Sache und vergißt nicht folgende energische Erklärungen hinzuzufügen:
„Mann, entweder wirst du Obersterndeuter, damit wir, wenn wir ins Bad gehen, mit gleicher Ehrerbietung behandelt werden, oder ich lasse dich nicht mehr ins Haus herein.“