Sie stiegen aus dem Wagen. Der Hodscha nahm wieder die betrügerischen Gesten an, in denen er bei Ausübung seines Berufs schon Gewandtheit erlangt hatte, und empfing seine Kunden artig. Die Prinzessin setzte sich traurig und [[175]]verzweifelt in eine Ecke wie ein sich bewegender aber lebloser Körper und wartete auf die Perlen, die aus dem Munde des Hodscha fallen würden.

Die Amme erklärte die Sache. Sie sprach von den Gelübden und sagte, daß diese ergebnislos geblieben seien. Über sie selber etwas zu sagen, sei überflüssig, da die Prinzessin die Tochter des herrschenden mächtigen Sultans sei.

Diese Worte wirkten auf den Hodscha wie ein beängstigender Traum. Einerseits zitterte er, andererseits schwitzte er. Wenn er es nicht herausbringen würde — und dessen war er sicher —, was würde dann mit ihm geschehen? Mit einem Padischah und mit den Angehörigen eines Padischahs zu spielen, das hieß mit dem Feuer spielen.

Es war aber auch nicht möglich, direkt zu erklären, wie alles gekommen sei, und zu sagen, daß er ein Betrüger sei. Wie würde dies werden, wie würde es ablaufen!

Schließlich sagte er nach langem Nachdenken:

„Euer Verlust erscheint mir etwas sonderbar. Euer Verlust muß am Rande eines Tales, am Zweige eines Baumes aufgehängt sein.“

Auf diese Worte hin dachte die Amme nach. Ja, ja, der Hodscha hatte ein reines Wunder gesagt. Der Ohrring war im Bade verloren gegangen, sofort wurden Leute in das Bad geschickt. Sie suchten wiederum alles nach, schließlich fanden sie ihn auf einem Reiserbesen, der vor eine Wasserrinne gelegt war. Dem Hodscha wurden unendlich viel Geschenke gemacht. Da die Sache sehr wichtig war, hatte man dem Padischah nichts davon gesagt.

Der Hodscha arbeitete inzwischen weiter und verdiente viel Geld, aber wiederum war ihm die Tür seines Hauses verschlossen, da er nicht Obersterndeuter geworden war.

Eines Tages hatte ein Dieb dem Padischah einen sehr kostbaren, mit Brillanten besetzten Ring, ein altes Familienstück, gestohlen. Überall suchte man nach, fand aber den Dieb nicht. [[176]]

Der Padischah zog sich verzweifelt in einem Zustande, daß er seines Lebens überdrüssig war, in eine Ecke zurück.