Die Prinzessin wollte nicht, daß ihr Vater so traurig war, ging zu ihm und küßte ihm Wangen, Hand und den Saum seines Kleides. Der Padischah war sehr erfreut über seine Tochter, die, während er so traurig war, zu ihm kam und ihn liebkoste. Er war auch zu ihr freundlich. Dies benutzte die Prinzessin und sagte, daß der Hodscha, der ihren Ohrring gefunden, auch aller Wahrscheinlichkeit nach den Ring finden würde.
Wer ins Wasser fällt, faßt sogar nach einer Schlange. Der Padischah gab Befehl, und sofort gehen Adjutanten aus, um den Hodscha zu suchen. Sie bringen ihn ins Schloß. Der Arme steht zitternd Todesängste aus. Er wird vor den Padischah gebracht. Der Padischah erzählt ihm die Sache und macht ihm klar, daß er, wenn er die Angelegenheit nicht ins Reine bringen und den Ring zur Stelle schaffen würde, seinen Kopf verlieren würde.
Der Arme sah ein, daß die Sache unmöglich sei und daß es ihm das Leben kosten werde. Aber um diesen verhängnisvollen Augenblick etwas hinauszuschieben und um diese Zeit gut zu verleben, sagte er: „Mein Padischah, das ist eine schwierige Sache. Es steht nicht in der Macht der Sterne, Euch sofort eine Antwort zu geben. Gebt mir vierzig Tage Frist, weist mir ein Zimmer an und gebt mir während dieser Zeit die vorzüglichste Nahrung. Am vierzigsten Tage werde ich Euch sagen, wer der Dieb ist.“
Der Padischah nahm den Vorschlag an und befahl, daß alles ausgeführt werden sollte, was der Hodscha wünschte. Der Hodscha zog sich in ein vorzüglich ausgestattetes Zimmer zurück, um sich Gott zu weihen. Dort betete er zu Gott und flehte, daß er sein Gebet annehme und ihm seine Sünden verzeihen möge. Andererseits verfluchte er auch seine Frau, die ihn in seinem Alter in solche Not und Prüfungen gebracht, und ihren Wunsch nach einer angesehenen Stellung. [[177]]
Jeden Tag wurde ihm ordnungsgemäß Essen gebracht. Um die Tage nicht zu vergessen, behielt er einen leeren Teller von den ihm gebrachten Speisen zurück.
Inzwischen war nun eine Zeit vergangen. Um festzustellen, wieviel Tage er schon dort sei und wieviel Tage ihm von seinem Leben noch übrig seien, zählte er die Teller. Es waren genau achtzehn. Voller Hoffnungslosigkeit entfuhren ihm, ohne daß er es wollte, diese Worte: „Ach, achtzehn!“
Die Diebe des Ringes gehörten zu den Palastdienern. Sie beobachteten alles, was der Hodscha tat, durch ein Loch. Der Beobachter an jenem Tage hatte nicht bemerkt, daß der Hodscha die Teller gezählt hatte, sondern hatte nur gehört, daß er ausrief: „Ach, achtzehn!“
Es waren nun in der Tat achtzehn Diebe. Als der Beobachter die Zahl achtzehn hörte, suchte er sofort seine Genossen auf und sagte: „Mit unserer Sache steht es schlecht. Dieser Kerl ist ein Teufel oder der Antichrist oder derartiges. Er hat jetzt heraus, wieviel wir sind. Heute hat er in der Ekstase dreimal: „Ach, achtzehn“ ausgerufen. Wenn er noch länger Zeit hat, wird er auch noch herausfinden, wer wir sind, und wir sind für den Strick des Henkers reif.“
Die Diebe gerieten über diese Nachricht ihres Genossen in Aufregung. Sie hielten einen Rat ab, berieten sich und beschlossen, in der Nacht zum Hodscha zu gehen, ihn anzuflehen, sie nicht zu verraten, und sein Mitleid zu erwecken.
In der folgenden Nacht betreten sie alle zusammen sein Zimmer. Er geriet in große Furcht.