Man sagt: Wenn der Mensch verzweifelt ist, gebärdet er sich am mutigsten, so wie die Katze, wenn sie verzweifelt ist, den Hund anfällt. Da der arme Hodscha äußerst hoffnungslos war, so stürzte er sich auf die Leute und rief: „Ach, ihr, seid ihr da?“ Er glich sozusagen einem rasenden Löwen. [[178]]

Die Diebe wurden noch besorgter und fielen dem Schuhflicker zu Füßen. Er wußte nicht, was los war und sah sie ganz entgeistert an. Schließlich stand der mutigste von ihnen auf und sagte, nachdem er ihn mit höchster Ehrfurcht begrüßt hatte: „Mein Herr, Sie sind wirklich eine sehr begabte und große Person. Sie haben entdeckt, daß wir achtzehn sind. Jedenfalls hätten Sie auch noch uns herausgebracht. Wir wollten Ihnen jedoch nicht soviel Mühe machen und haben beschlossen, die Wahrheit zu sagen. Wir vertrauen auf Ihre edle und barmherzige Gesinnung und auf Ihr großes Herz. Nehmen Sie unsere Bitte an und erbarmen Sie sich nicht nur über uns, sondern auch über unsere Kinder. Unser Leben ist jetzt in Ihrer Hand. Nur Sie können uns retten. Ja, wir haben den Ring gestohlen.“

Auf diese Rede hin machte der Schuhflicker große Augen und wurde wieder ruhig. Es war kein Zweifel, jetzt war er gerettet. Er sagte mit angenommener Würde: „Dankt Gott, daß ihr noch gerade im letzten Augenblick euch gemeldet habt, sonst wäre es euer letzter Tag gewesen. Ich war gerade dabei, eure Namen zu entdecken.“

„Ach, mein Herr, dessen sind wir sicher, aber haben Sie Mitleid mit unseren Kindern.“

„Gut, versprecht Ihr, es nicht wieder zu tun?“

„Wir versprechen es nicht nur, wir schwören es bei unserem Glauben und auf unser Gewissen.“

„Da ihr versprecht, es nicht wieder zu tun, so will ich euch aus Mitleid nicht verraten. Gebt den Ring am vierzigsten Tage einer Gans zu fressen und brecht ihr einen Flügel. Das andere ist dann meine Sache. Wenn ihr so tut, gut, dann werde ich keinen von euch verraten, sonst geht es euch schlecht.“

Die Diebe versprechen, die Worte des Hodschas getreu auszuführen, versprechen ihm viel Geld und gehen weg.

Der vierzigste Tag kommt heran. Der Padischah erwartete diesen Tag mit Ungeduld. Schließlich befiehlt er, [[179]]den Hodscha vorzuführen. Der Hodscha kommt vor den Padischah. Dieser fragt mit zorniger Stimme: „Nun, wie steht es? Hast du ihn gefunden?“

„Ja, mein Herr, das heißt richtiger, ich habe seine Spur. Jetzt möge Euer Majestät befehlen, daß alle Geschöpfe des Palastes vor mir im Zuge vorüberziehen, dann werde ich zeigen, wer der Dieb ist.“