Der Padischah befiehlt es, und vom Großvezir an bis zum Küchenjungen ziehen alle Leute des Schlosses vor dem Hodscha vorbei. Obgleich auch die wirklichen Diebe dabei waren, sagt der Hodscha nichts.

Der Padischah fragt: „Nun, Hodscha, wer hat den Ring?“ Der antwortet: „Mein Padischah, unter den Leuten Eures Schlosses ist kein Dieb. Trotzdem ist der Ring bei einem lebenden Wesen, das zu Eurem Schlosse gehört. Befehlt, daß auch die Tiere alle vor mir vorbeiziehen sollen.“

Der Padischah befiehlt es. Die Pferde, Stuten, Esel, Maultiere und die anderen Tiere ziehen alle vorüber. Bei keinem ist der Ring. Schließlich fragt der Hodscha: „Sind das alle Tiere im Schlosse?“

Man antwortet:

„Nein, mein Herr, es ist noch ein Rudel Gänse da.“

Der Hodscha sagt: „Auch die führt vor.“

Auch die Gänse zogen vorüber. Schließlich sieht er eine Gans, deren Flügel zerbrochen ist. Er ordnet an, daß diese aufgeschnitten werde. Man führt seinen Befehl aus, schneidet ihr den Bauch auf und findet den Ring. Jedermann ist erstaunt. Der Padischah ernennt ihn zum Obersterndeuter.

Der neue Obersterndeuter geht eilends nach Hause und bringt seiner Frau die frohe Nachricht. Die Frau geht mit ihren Kindern zusammen ins Bad. Als es heißt: „Die Frau des Obersterndeuters ist gekommen“, empfängt sie jedermann mit Ehrerbietung. Dann kehrt sie nach Hause zurück und sagt zu ihrem Manne: „Nun bin ich ins Bad gegangen, jetzt kannst du wieder deinen Obersterndeuterposten aufgeben.“ [[180]]

„Aber Frau, ist das denn möglich? Hast du den Verstand verloren?“

„Tu, was du willst. Du mußt ihn aufgeben.“