An jenem Tage lobte sie die ganze Welt und Hunderttausende priesen sie mit den Worten: „Was ist das für eine geschickte Prinzessin!“ Die Prinzessin war der Kapitän, ihr Gehilfe ein alter Kapitän und die Sklaven und Sklavinnen in ihrer Begleitung wurden als Soldaten gebraucht und von ihr befehligt. Eines Tages kamen sie nach Jemen. Sie lief in den Hafen ein, ging dort vor Anker und blieb jene Nacht dort.
Der dortige Aufsichtsbeamte hörte davon und kam es sich anzusehen. Als er es sah, sagte er: „Wer ist das wohl? Solch ein Schiff habe ich in meinem Leben nicht gesehen, Allah möge es vor dem bösen Blick bewahren!“ Dann ging er sofort zum Schloß und machte Meldung: „Mein Padischah, [[11]]gestern ist ein Schiff angekommen, das unbeschreibbar ist. Reiner Diamant und Juwelen! Es lohnt sich, es einmal anzusehen.“ Da schickte der Schah seinen Lala[3] und sagte: „Forsche nach und komme wieder mit der Nachricht, wer es ist.“
Dann bestieg sein Adjutant eine Schaluppe und fuhr nach dem Diamantschiff. Als nun die Prinzessin sah, daß der Adjutant kam, kleidete sie ihre Mannschaft vom Kopf bis zu den Füßen in rote Kleider. Als endlich die Schaluppe sich der Landungstreppe näherte, ging die gesamte Mannschaft ihm entgegen und führte ihn nach oben geradeswegs zur Kabine des Kapitäns. Er setzte sich auf einen Stuhl und wurde freundlich begrüßt. Er sagte: „Aber mein Bej, ich möchte noch gern länger bleiben, aber der Schah erwartet mich, ich bin gekommen, um Kunde einzuholen. Wenn Sie mir Ihren schönen Namen sagen würden, würde ich den Padischah benachrichtigen.“
Der Kapitän sagte: „Ich bin ein Kaufmannssohn und bin auf die Reise gegangen, um mich zu vergnügen.“ Da ging er dann zum Padischah und sagte: „Padischah, das angekommene Schiff ist ein Handelsschiff, sein Kapitän ist ein junger Mann ohne Schnurr- und Backenbart, schön wie ein Mond am Vierzehnten. Seine Mannschaft ist ihm ganz entsprechend. Ja, mein Herr, es lohnt sich wirklich, es einmal anzusehen.“ Der Padischah bekam Lust und wünschte hinzugehen. Dann bestieg er eine Schaluppe mit sieben Doppelrudern und ging mit seinem ganzen Hofstaat auf das Schiff.
Als der Kapitän sah, daß der Herrscher kam, ließ er die ganze Mannschaft gelbe Kleider anziehen. Als der König sich der Landungstreppe näherte, gingen sie ihm alle entgegen und führten ihn nach oben. Als er in die Kabine des Kapitäns kam, empfingen sie ihn mit Ehren und bewirteten ihn mit Kaffee und Tabak. Der Padischah war erstaunt. Danach brach er wieder auf und ging in sein Schloß. [[12]]
Als der Prinz das hörte, verstand er sofort die Sache. Dann bestieg er eine Schaluppe und fuhr nach jenem Schiffe.
Wir wollen jetzt wieder zum Kapitän kommen. Wie das vorige Mal, ließ er die ganze Mannschaft grüne Gewänder anziehen. Jetzt legte der Prinz an dem Schiffe an. Sie gingen ihm alle mit Ehrerbietung entgegen. Schließlich kam er in die Kabine des Kapitäns und verweilte dort. Jetzt fragte der Prinz den Kapitän eingehend nach allem. Der Kapitän gab sich nicht zu erkennen. Der Prinz verliebte sich in den Kapitän und konnte sein Auge nicht von seinem Auge trennen. Als es schließlich Abend wurde, mußte der Prinz wohl oder übel aufstehen und in sein Schloß fahren.
Wir wollen uns nun wieder zum Kapitän wenden. Er schickte zu dem Aufsichtsbeamten der dortigen Gegend. Unter seiner Vermittlung legten sie das Schiff ins Dock. Vor dem Schloß war ein großer Palast. Den mieteten sie und ließen es sich gut gehen. Wir wollen uns jetzt zum Prinzen wenden. Am nächsten Morgen, als es Tag wurde, kam er an die Stelle, wo das Schiff gewesen war, und sieht, daß keine Spur davon da ist. „Ach, Gott“, sagte er, und schlug mit seinem Kopf auf den Boden. Er kam zu seinem Lala und fragte ihn. Der Lala erklärte ihm alles, eins nach dem anderen, und das Herz des Prinzen wurde wieder froh. Dann ging er ins Schloß. Als er vom Gartenhaus in das Fenster des erwähnten Palastes sah, fällt sein Blick auf das Mädchen. Der Prinz wurde verwirrt. Wer ist das wohl? Sollte es die Frau des Kapitäns sein? vermutete er bei sich. Es war eine Schönheit, die in der Welt nicht ihresgleichen hatte; die Locken waren nach beiden Seiten gescheitelt.
Als jetzt das Mädchen auch den Prinzen sah, schloß sie das Fenster und zog sich ins Innere zurück. Da verliebte sich der Prinz von neuem in sie, und indem er den Palast von allen vier Seiten umging, sagte er: „Ach, ob ich wohl noch einmal diese Schöne wieder sehen kann?“ Als es schließlich Nacht wurde, zog er sich in sein Zimmer zurück und weinte. [[13]]
Am nächsten Morgen kam er in das Gartenhaus und sieht, daß niemand am Fenster ist. Als er es nicht mehr aushalten konnte, ging er zu seiner Mutter und sagte: „Ach, Mutter, in diesem Palaste uns gegenüber wohnt die Frau des Kapitäns, ich habe sie am Fenster gesehen und mich in sie verliebt, nimm diese diamantbesetzten Holzschuhe und bringe sie ihr als Geschenk. Ich möchte noch einmal ihr Gesicht sehen, sonst bringe ich mich um.“ Die Mutter stand wohl oder übel auf und ging sofort zum Palast des Kapitäns. Nachdem sie eingetreten und gegrüßt hatte, gab sie die genannten Holzschuhe dem Mädchen. Das Mädchen nahm auch die Schuhe und gab sie den Sklavinnen in der Küche. Die arme Dame wunderte sich und sagte zu dem Mädchen: „Meine Prinzessin, der Prinz grüßt Sie besonders und wünscht Ihr gesegnetes Gesicht zu sehen, aber wie denken Sie darüber?“ Das Mädchen gab keine Antwort. Nachdem sie noch einige Zeit gesessen, ging sie in das Schloß und sagte zornig zum Prinzen: „Ich habe jenem Mädchen die Schuhe gegeben. Sie nahm sie und gab sie den Sklavinnen in der Küche. Ich war sehr ärgerlich, und obgleich ich ihr deine Sache auseinandergesetzt habe, gab sie überhaupt keine Antwort. Dann stand ich auf und ging hierher. Wenn dein Kummer auch noch so groß ist, so mußt du dich damit abfinden.“