Le Vaillant rieb sich zufrieden die Hände, während sein Freund wieder ungeduldig zum Fenster trat. Der Landmann war verschwunden. Alles wieder still, wie zuvor.

»Die Weiber können nicht aus dem Neste kommen!« grollte Le Vaillant, nachdem er an die Seite seines Gefährten getreten war. »Morbleu! Hätten wir es nur mit Männern zu thun, so wären wir längst im freien Felde mit ihnen aneinander und du solltest sehen, daß keiner vermag vor Le Vaillant’s Schwerdt zu bestehen!«

»Die Gelegenheit wird schon kommen, wo du deine Heldenthaten an den Mann bringen kannst;« erwiederte kaltsinnig La Paix. »Jetzt richte deinen Muth gegen dich selbst und bekämpfe deine Hitze, deine Ungeduld.«

La Paix war, durch seines Freundes unaufhörliche Aufforderungen gereizt, nun hartnäckig geworden und bestand fest auf seinem Sinne, obschon sich in einzelnen Augenblicken eine gewisse Besorgniß über die Richtigkeit seiner Ansicht in ihm regte. Immer hatte Le Vaillant eine Art von Oberherrschaft von Seiten seines Landsmannes anerkannt. Dieser unterwarf er sich auch jetzt, zwar mit Widerwillen, aber nicht ohne alles Vertrauen, das auf so viele günstige Erfolge des Freundes in ähnlichen Fällen begründet war.

Aber noch eine Stunde verging in der Pein des Harrens, eine andere schlich ebenso mit Schneckenschritt vorüber und nichts veränderte sich in der Lage der Verbündeten. Die Abenddämmerung näherte sich. Viele Landleute, Männer und Weiber, kamen aus den benachbarten Städtchen, wo ihr ländlicher Handel sie hingeführt hatte, zurück und kehrten in dem einsamen Hofe ein, um hier, wie sie es gewohnt waren, zu übernachten und morgen in der Frühe des Tages ihren Weg nach der entlegenen Heimath fortzusetzen.

Jetzt war der Augenblick der Enttäuschung gekommen. La Paix mußte sehen, wie im vollen Gelächter mit anderen Landleuten und mit Gebehrden, die den Studenten und seine Begleiter deutlich genug als den Gegenstand seines Spottes bezeichneten, der Wirth aus dem Hause trat, die Pferde ausspannte und das Fuhrwerk, das die schöne Clelia getragen hatte, unter Dach schob. Er biß sich in die Lippen. Er trat hastig vom Fenster zurück und sagte mit ärgerlicher gepreßter Stimme:

»Wir sind betrogen! Ich durchschaue die ganze Geschichte, den listigen Streich, den man uns gespielt hat. Der Wirth ist ein Spitzbube. Er hat uns verrathen, er hat die Beute, die uns schon sicher war, längst weiter geschafft, während er uns mit dem ruhig wartenden Fuhrwerke genarrt.«

»Sandis! so müssen wir ihm den Hals brechen;« fuhr Le Vaillant wild auf und legte die Hand an den Degen.

»Versuche es nur!« entgegnete spitz sein Freund. »Die fünfzig rüstigen Bauernhände, die dem Schelm jetzt zu Gebote stehen, werden dir die Lust dazu schon vertreiben. Ehe du ihm an die Gurgel kommst, werden die Dreschflegel so auf deinem Rücken herumtanzen, daß du dein Lebelang nicht wieder gerade gehen kannst. Aber es ist kein Augenblick zu verlieren! Wir müssen ihnen nach. Führt die Pferde vor!« rief er den Dienern zu. »Vielleicht ist uns die Nacht günstiger, als der Tag.«

Sie stürmten die Treppe hinab. In der Thüre der Küche stand der Hauseigenthümer, hinter ihm ein Haufe von Bauern, mit feisten, wohlgenährten Gesichtern. Sie hielten die derben Knochenfäuste, wie zum Angriffe gerüstet, empor, sie lachten laut auf, als sie die Herabeilenden erblickten.