Die Männer, welche den Junker van Daalen begleiteten, ließen ihre Freude über diesen Anblick laut werden. Einer von ihnen sagte lachend:
»Das wird ihnen eine gute Lehre seyn und sie werden so bald nicht wieder versuchen, die feste Stadt Mastricht zu nehmen, wie ein offenes Dorf, das weder Wälle noch Kanonen hat. Aber der Jeker hat doch auch diesesmal das Beste gethan! Das Wasser hat dem Feuer geholfen und als die in der Stadt die Schleußen geöffnet, ist der Jeker über die Feinde gekommen, wie die Sündfluth über die bösen Menschen, die von der Erde vertilgt werden sollten.«
Auf sein näheres Befragen erfuhr Cornelius, daß der Jeker ein nicht unbedeutender Fluß sey, der sich innerhalb der Stadt in die größere Maas ergieße und durch Schleußen auf das flache Land nächst dem Petersberge geleitet werden könne, was bei früheren Belagerungen der Stadt schon zum größten Vortheile gereicht sey. Jetzt erkannte er deutlich in der nothgedrungenen Flucht in die Irrgänge des Berges die Leitung einer höheren Macht, die ihm und Clelien wohlwollte. Wäre es ihnen auch geglückt, einen Versteck in den Niederungen am Fuße des Berges zu finden: jetzt würden sie wahrscheinlich, mit so vielen anderen Verunglückten, ein Grab unter den immer höher andrängenden Wogen gefunden haben!
Die Männer verließen ihn, um sich zu den zurückgebliebenen Ihrigen in den Berg zurückzubegeben. Er belohnte sie reichlich. Dann ging er am Rande des Wassers hin, um einen Nachen aufzusuchen, der ihn zur Stadt brächte. In einem anliegenden Boote sah er einen Mann stehen, der ihm den Rücken zukehrte. Auf seinen Ruf wandte sich dieser um. Eine Wolke von Rauch, die aus seinem Munde strömte, zertheilte sich und ein bekanntes Gesicht, von einem Ende bis zum anderen von einer mächtigen Schmarre durchzogen, grinsete ihn an.
»Herrmanneke, du?« rief Cornelius im lebhaften Erstaunen. »Nassau und Oranien! Wie kommst du hierher? Wo ist dein Herr, wo die Syrene?«
Der Bootsmann lachte dumpf aus dem dichten Rauch, der aufs Neue sein Antlitz verbarg, bot seinem alten Gefährten bei dem Angriffe auf die Schebecke, treuherzig die Hand und erwiederte:
»In Antwerpen war unseres Bleibens nicht lange. Wir bekamen schon am ersten Tage Fracht nach Mastricht, lichteten und hatten kaum den Anker geworfen und ausgeladen, als der Spaß mit den Franzmännern losging. Die Syrene liegt unten, mitten im Fluße, und hat die Nachtgäste nach beiden Seiten hin gut bedient mit eisernen Pillen, die manchem von ihnen Kopfweh gemacht haben mögen. Was den Capitän angeht, so hat der seine Fahrt auf die Schanze dort oben gerichtet und bringt Munition ein. Harrt nur einen Augenblick, Junker Cornelius! Er muß gleich zurückkommen. Dann geht’s auf die Barke und bei dem guten Winde werden noch in dieser Stunde die Anker gehoben zur lustigen Fahrt nach Rotterdam.«
»Nach Rotterdam?« rief Cornelius froh überrascht. »Beim Waffenruhme Marlborough’s! das heißt Glück im Unglück. Ich fahre mit Euch. Wir wollen es noch einmal zu Wasser mit einander versuchen, alter Camerad!«
Herrmanneke ließ die Hand mit der Pfeife aus dem Munde sinken. Er blickte schüchtern umher, dann sah er bedenklich den Junker an.
»Wo ist denn Euer Frauenvolk?« sagte er mit einem Ausdrucke von Unruhe und Besorgniß in seinen Zügen, der diesen bisher fremd gewesen war. »Die Junge meine ich nicht, sondern die Alte, mit der ich nicht gern wieder auf einem Ankerplatze zusammenkommen möchte, da sie den Tabak doch nimmermehr vertragen lernt.«