VIII. Der Heerd des Herrn.

Im Jahre 1597 hat Wilhelm, Burggraf zu Dohna, die Herrschaft Muskau von dem Kaiser Rudolph II. erblich erkauft. Es war seine erste Sorge, nicht sowohl sich selbst ein bequemes Schloß zu schaffen, als vielmehr vorher dem Herrn zu Ehren eine neue, größere Kirche zu bauen; denn die alte Pfarrkirche, die St. Andreas Kirche, war zu klein geworden für die große Gemeinde. Der Bau mußte verschoben werden. Es fehlte an einer für die Kirche passenden Stelle. Doch Gott, der Herr, wies selbst den Raum zu derselben an.

Das neue Gotteshaus sollte in die Kirchgasse gebaut werden, an die Stätte, wo einst Joachim Lutz, Freiherrlich Callenbergischer Stallmeister, wohnte. Aber so wäre die Kirche dem Berge zu nahe gekommen und deshalb zu dunkel geworden. Da erglühte der 30. Mai 1603, als auch in dem Neißthale Tausende von purpurnen Blüthen prangten, ein Theil der Stadt in hellen, vernichtenden Flammen. Durch unvorsichtiges Fischesieden brach vor dem Schmelzthore, bei dem Kürschner Barthol Buntzen, dessen Haus da stand, wo sonst das rohe Gitterthor unweit des Röhrkastens auf den Kirchhof führte, Feuer aus, welches nicht nur viele Bürgerhäuser, sondern auch die ganze Neustadt, die damals auch den Platz, wo jetzt die Kirche steht, umfaßte, in Asche legte. Durch Gottes Fügung war Raum für die Kirche gewonnen worden. Die Neustädter erhielten Land, weiter hinaus zu bauen. Da, wo ihre Häuser von den Flammen verzehret worden waren, sollte fortan dem Herrn „sein Feuer und Heerd“ an- und aufgerichtet werden.

Ein Heerd des Herrn sollte der Altar werden von der neuen Kirche umschlossen. An dem Oberwerke desselben war einst in kunstvoller Schnitzerei nach dem Geschmacke der Zeit die heilige Geschichte dargestellt, so für uns geschehen, in der Mitte des Altars das Hauptstück derselben, der Herr am Kreuze, der sich selbst für uns geopfert hat. Mächtig wurden in der Erinnerung an die großen Thaten der göttlichen Gnade und Liebe Menschenseelen ergriffen, näher fühlte man sich dem Heiligen und Barmherzigen, und zahllose Opfer, Herzen voll Dank und voll Liebe, sind dem Herrn dargebracht worden an dem Altare der Kirche, seitdem ihm da, wo einst Menschenwohnungen von den Flammen zerstört worden waren, von den frommen Burggrafen von Dohna sein Feuer und Heerd an- und aufgerichtet worden ist.

Den 27. April 1605 in der Woche des Sonntags Miser. Dom. ist der Grundstein zu dem Hause gelegt worden, in welchem von der Gnade und Barmherzigkeit des Herrn gesungen und gepredigt werden sollte. Ps. 89, 1. Bei der Taufe der Ursula Catharina, Tochter des Burggrafen Karl Christoph zu Dohna, nachmaligen Reichsgräfin von Callenberg, den 19. Mai 1622 ist die Kirche feierlich eingeweiht worden. Das erste Paar, welches an dem Altare getraut wurde, war Christoph Richter, ein Tagelöhner, Hans Richters, Zimmermanns und Inwohners in der Schmelze Sohn, und Jungfrau Martha Spärrichin, auch eines Zimmermanns in der Schmelze Tochter.

Die Umgebungen der Kirche sind durch den Fürsten zu einem lieblichen Vorhofe derselben umgewandelt worden. Anfänglich bildete der Kirchhof ein rings von Mauern eingeschlossenes Viereck. Zwischen die Mauer nach der Gasse zu war ein großer Röhrbottich gesetzt, um das schöne Gotteshaus in Feuersgefahr schützen zu können. Die Mauer wich 1779 einem von zwei großen Thorwegen durchbrochenen Stackete, zwischen welchen auf einem etwas eingerückten Rondele das eiserne Monument stand, den Helfern in der Theurung 1771/72 gesetzt. Noch stehen einige der alten Linden, welche sonst auf der Morgen- und Mittagsseite den Gräbern des Kirchhofs Schatten brachten. Jetzt zieht sich von dem Ostende der Kirche aus gleich einer grünen Ranke eine Kette von Bäumen und Sträuchern an der Südseite des Kirchplatzes hin. Zwischen ihr und der Kirche ist ein Rasenteppich. Von der Hauptstraße aus dringet der Blick über niedriges Gesträuch zu dem schönen Gotteshause. Das eiserne Monument stehet jetzt da, wo sich die beiden Hauptwege zur Kirche vereinen.[B] — Wohl hat sich die Umgebung der Kirche geändert, wohl ist sie selbst nach dem Brande 1766 in einfachem, edeln Schmucke renovirt worden; aber die hohe Bestimmung des Heiligthums bleibt fort und fort dieselbe, zu sein ein Heerd des Herrn, an welchem Christenherzen der ewigen Liebe die Opfer ihres Dankes darbringen. —

Anmerk. Ueber die deutsche Kirche s. Musk. Kirchenzierde — auch sub tit. Muskov. decus eximium, Guben 1668 — u. Langner S. 16–20. Der Baumeister dieses Gotteshauses, dessen Bogen nur sich selbst und keinen dieselben im Inneren stützenden Pfeilern anvertraut sind, war der Italiener Bevelaqua. Den 2. April 1766 brannte die Kirche aus. Das Altarblatt ist von dem Maler Huttin. Der Thurm ist nicht in der Höhe wieder hergestellt worden, die er früher hatte. —

[B] Dieses Monument befindet sich gegenwärtig auf dem freien Rasenplatz an der Südseite der Kirche. An seiner früheren Stelle erhebt sich das Siegesdenkmal — eine Victoria von Drake — gestiftet zum Andenken an die Kriege von 1866 und 1870/71, ein Werk von hohem Kunstwerth.

Anm. d. Herausgebers.