Das Jagdschloß mit seinen Umgebungen liegt drei Stunden von der Stadt, unweit der Bautzner Straße. Welcher Standesherr die Gebäude desselben einst aufführen ließ, läßt sich nicht ermitteln. Wahrscheinlich sind sie ein Werk des Landvoigts Curt Reinicke von Callenberg. Dafür spricht die Nachricht, daß der Kurfürst von Sachsen mit den Prinzen oft der Einladung zu Jagden in der Muskauer Haide folgte, welche von einem Manne ausging, den sein Landesherr vor Allen auszeichnete. Auch wies die ursprüngliche Bauart des Schlosses darauf hin, daß es nicht zu alt sein kann, daß es weder als befestigte Stätte, noch zu einem längern Aufenthalte gedient hat, sondern nur für die Jagden. Ein Zimmer des Schlosses war vordem zur Kapelle eingerichtet; denn wie bei den kurfürstlich sächsischen Hirschfeisten, zur Verherrlichung der Jagdfeste, die Jagdpredigten nicht fehlen durften; wie solche z. B. 1649 in der Schloßkirche zu Freiberg von dem orthodoxen Weller gehalten wurden und unter dem Titel „Zachäi erfreuliche Seelenjagd“ herausgegeben worden sind; so durften jene Jagdpredigten auch bei den Jagden derer nicht fehlen, welche in ihrem Leben die Sitten des Hofes nachahmten. — Das Jagdschloß ward später eine Stätte, in deren Stille sich die Besitzer der Herrschaft aus ihrem geschäfts- und beziehungsvollen Leben gern dann und wann zurückzogen. Graf Herrmann von Callenberg, dieses poetische, für die Schönheiten der Natur empfängliche Gemüth, hatte seit 1774 das Schloß mit seinen Umgebungen zu einem der angenehmsten Aufenthalte für Sommer und Winter umgeschaffen. Nach ihm wurde es Herrmannsruh oder Mon repos genannt. Die Grafen Pückler weilten gern daselbst, weil sie die Jagd liebten. Erst 1815 überließ die Gräfin Seydewitz dem Standesherrn, ihrem Sohne, das Schloß zum freien, beliebigen Gebrauch. Vor allen hat Fürst Pückler-Muskau sein Jagdschloß geliebt. Dorthin führte er von der Grenze der Standesherrschaft seine Braut, die Tochter des preußischen Staatskanzlers von Hardenberg; von dort aus hielt sie einige Tage darauf, den 22. Juli 1817, ihren feierlichen Einzug in das Schloß Muskau. In einem Nebengebäude des Schlosses hatte sich der Fürst einige Zimmer nach seinem Geschmacke einrichten lassen. Bücher, Waffen, Bilder und Schreibzeug waren die Zierde derselben. In dem Schweigen und der Frische des Waldes ist ein großer Theil der Tutti Frutti und des klassischen Gartenwerkes, sowie andrer Werke des Fürsten entstanden. Einen lieblicheren Raum zum Sinnen und Denken konnte sich der Schriftsteller unter den Fürsten nicht wählen. Mächtig wirkte der Wald auf das Gemüth und erfüllte mit Begeisterung für die Natur; klarer und übersichtlicher zogen in der Einsamkeit und Ruhe desselben die Bilder des Lebens, die der Fürst, ein moderner Odysseus, bald hier, bald dort, besonders in den höchsten Kreisen geschaut hatte, vor der Seele vorüber, um ihre vorurtheilsfreie, originelle Würdigung zu empfangen.

Der jetzige königliche Standesherr hat das Jagdschloß im gothischen, oder vielmehr im normännischen Style restauriren lassen. In dem einstöckigen Hauptgebäude ist ein Saal, aus welchem man auf ein kleines Plateau tritt, von dem Stufen auf die Wiese führen. Ueber jenem Saale ist ein Dachzimmer; die übrigen Zimmer befinden sich in den beiden Flügeln des Schlosses. Von beiden Seiten des Gebäudes aus zieht sich eine Mauer hin, welche sich im Walde verliert und durch welche ein schönes Portal in den Schloßraum führt. Die alte Försterwohnung ist abgebrochen; die neue lehnt sich an den nahen Hügel. —

Hatten schon die frühern Besitzer der Herrschaft die Umgebungen des Jagdschlosses zu verschönern gesucht, so konnte es nicht fehlen, daß der Meister in der Landschaftsgärtnerei dieses Lieblingsplätzchen seiner Ahnen, die Stätte, wo er selbst so gern weilte, nach seinem Genius zu behandeln begann. Schon 1815 fingen dort seine Schöpfungen an; doch gingen sie meistens gleichen Schritt mit denen des Muskauer Parkes. Von diesem aus wurden anmuthige Waldwege nach dem Jagdschlosse geführt. Es entstand um dasselbe herum ein zweiter Park, den Spaten und Axt vereint geschaffen haben. — Vor dem Plateau an der Südseite des Schlosses breitet sich ein frischer Wiesengrund aus. Wohl schaut man da herrliche Gruppen alter Laub- und Nadelhölzer; aber alsbald wird das Auge durch das Dunkel des Waldes gehalten, und die große Schattenmasse giebt dem Bilde den Charakter der tiefsten Ruhe. Der Wald westlich vom Schlosse ist von Wiesenflächen umsäumt, welche sich an ihm weithin ziehen. Da, wo sie in der Nähe des Schlosses beginnen, steht ziemlich isolirt eine herrliche, alte Fichte, wohl mehr als 100′ hoch. Gar gleichmäßig senken sich ihre Aeste mit den langen Nadelgehängen von der Krone des Baumes an und die untern, die bis zur Erde herabhängen, messen über 30′. Der Anblick dieses majestätischen, noch immer frischen Baumes stimmt das Gemüth feierlich; aber er versetzt auch die Seele in Spannung; denn es ist als wenn dieser Gigant aus der Tiefe des Waldes hervorgetreten wäre, um seinem Bewunderer zuzurufen: „Gehe nur in den Wald, dort findest du viele meines Gleichen!“ Auf der Wiese an dem Walde sind mannigfach gestaltete Strauch- und Baumgruppen. Sie gleichen den bald höheren bald niederen Vorbergen eines Hochgebirges. Ueber dieselben erhebt sich der Blick zur Höhe des mächtigen Waldes mit seinen Linien, welche er gegen den Horizont bildet; sie bringen den Eindruck des Freundlichen und Heitern, der sich über sie hinaus zum Gefühle des Erhabenen erweitert. Wie der Fürst mehr denn ein Anderer in jenes Schönheits-Geheimniß der Natur eingedrungen ist, nach welchem sie in ihren Formen und Gruppirungen nie grell abbricht; so hat er auch hier den Hochwald in dem Wiesengrunde meisterhaft zu vermitteln und in Einklang zu setzen gewußt, und hierin ruhet der Reiz der Partie. Die Wiesenfläche verliert sich nach Nordwesten zu im Walde. An dem Ostrande derselben ziehen sich chaussirte Wege und Gänge hin, und von hier aus steigen Hügel sanft auf. Diese sind bis an den Wald mit Laubholz-Pflanzungen bedeckt und von Gängen durchzogen. So aber ist in die Umgebung des Jagdschlosses ein schönes Gleichgewicht, sowie eine reiche Fülle von Abwechselung gebracht worden, und die groteske Natur um dasselbe hat Bewegung erhalten. —

Doch wie lieblich auch die nächsten Umgebungen des Jagdschlosses sind, mächtig reizet des Waldes Geheimniß. Schmale Waldwege führen in dies Heiligthum, welches die Natur allein aufgebaut hat. Dort heben Kiefern, schlank wie die Pinien, oft über hundert Fuß hoch, ihre Gipfel zu den Wolken empor; dort grünen Eichen, die manche Generation überdauerten, in unversiegbarer Frische; dort wetteifern riesige Fichten und Tannen im Alter und himmelanstrebenden Wuchse; dort sind Aeste in einander verschlungen; dort erneut sich unter erstorbenen Zweigen in kräftigem Nachwuchse der Wald, und fast undurchdringlich ist die grüne Wildniß; dort in dem quellenreichen, moorigen Boden ist die üppigste Vegetation, ein titanenhaftes Streben der Pflanze zu dem Himmel empor — nach Sonnenlicht und Freiheit. Aber unter ihnen ist bald ein Teppich von Heidel- und Preisselbeerkraut mit schwarzblauen und rothen Früchten, bald eine Decke von Haidekraut mit blaßrother Blüthe weithin ausgebreitet, und emsig verhüllen die mannigfachen, weichen, grünen Moose das Grau des Bodens. Hier und da sind Büschel von wildem Rosmarin und Farrenkraut in jenen Teppich gewebt. In der Tiefe wie in der Höhe arbeiten die Kräfte des Waldes, der Natur.

Nicht bloß in seiner kräftigen, frischen Vegetation reizet der Wald; er ist auch die Wohnung des scheuen, flüchtigen Wildes. Einst waren gegen 8000 Morgen des Revieres um das Jagdschloß herum eingezäunt. Der Fürst ließ das Gehege niederreißen, „weil er kein zahmes Wild haben wollte.“ Der jetzige königliche Standesherr hat den Wildpark bedeutend vergrößern lassen, so daß er über 12000 Morgen umschließt. —

Es gewährt eine gar hohe Freude, dem sinnigen Treiben der Thiere in ihrem Bereiche zu lauschen. — Der Sonnenball, dessen Strahlen den Maiwuchs getrieben, ist im Sinken, und wie auf goldigem Grunde ruhet der Wald. In seinen Tümpeln quaken die Frösche eifriger ihr Abendlied, und die Vögel ziehen nach ihren Ständen, zu träumen von den Freuden des Tages. Nur die geschwätzige Haidelerche und das spröde Schnepfenweibchen können die Ruhe noch nicht finden; doch der Kauz ruft, der Nachtwächter des Waldes. Die heilige Nacht lagert sich über die Erde, und in dichte Schatten gehüllt stehet der Wald. Da dringt von dem Himmel schwaches Dämmerlicht durch die Bäume. Kurz ist die Ruhe der lebensfrohen Waldbewohner. Und es folgt der scheue Auerhahn, der schlaue Birkhahn dem Locken seiner Hühner, und in der Leidenschaft trifft ihn des Jägers Blei. Die Lerche weckt in dem Herzen die Morgenandacht. Dompfaffen, Finken und zahllose Meisen stimmen ein in den Gesang, und die schwarzen Krähen verlassen das Heiligthum des Waldes. Geschäftig fliegt der Holzhäher von Stamm zu Stamm, der Kuckuck erhebt seinen Ruf, an den hohlen Bäumen hämmert der Specht, und auf den Lachen sucht sich die Ente ihr Frühstück. Rührig wie in Zweigen und Lüften ist es auf der Erde. An des Waldes Saum eilet die Hirschkuh, ihr zur Seite das Wildkalb. Scheu blickt sie in mütterlicher Sorge um sich her, ehe sie den Halm erfaßt, während der starke Hirsch schon längst auf dem grünen Plane weidet. In freudigen Sprüngen bricht das Reh und der Dammhirsch aus dem Gebüsche hervor; aber behutsam schleichend verläßt der Fuchs, der Diplomat der Haide, seinen Bau, an Schalkheit Marder und Iltis überbietend. Langsam geht die Sau mit den Frischlingen aus ihrem Lager. — Die Morgensonne steht in voller Pracht am Himmel. Immer lebendiger wird’s im Walde. — Von Ast zu Ast tanzet in verwegnen Sprüngen das Eichhörnchen; an des Dickichts Rande sonnet sich die Schlange; rastlos bauen die Ameisen; Libellen flattern von Halm zu Halm, und zahllose Käfer und Fliegen sind wach geworden. O schöner Lenzes-Morgen im Walde! Welche Freude bringst du dem Herzen! Wie erschließest du den spähenden Sinnen das geheimnißvolle Treiben in dem Reiche der Thiere! Wie zeigst du ihre Leidenschaften, ihre Kämpfe, ihre Siege, die große, wunderbare Staatsökonomie derselben.

Doch Aegidi ist da, und einen neuen Reiz hat der Wald. Auf den Feldern hat der Landmann seine Ernte gehalten mit Sichel und Sense; es beginnt die Ernte des Jägers im Waldreviere mit Pulver und Blei. Der Wald wird die Stätte kühner und blutiger Thaten. Wohl gewähret die Jagd dem, der sich ihren Reizen erschlossen hat, allenthalben ein großes Vergnügen, wenn er auch nur des flüchtigen Hasen oder des schüchternen Rebhuhns wegen das Feld durchschweift; aber mächtiger zieht es den Jäger in den Wald, wo das Hochwild ist. Da erfüllt sich die Brust mit Muth wie vor einem nahen Kampfe; da bemächtigt sich des Waidmanns ein ritterliches Gefühl, ähnlich dem, das den Kämpfer gegen die Ungeheuer des Waldes in einer Zeit beseelte, wo noch nicht das Feuerrohr, sondern Schwert, Bogen und Lanze die Waffe war, mit der er den Bär, den Auerochsen, den Eber u. s. w. erlegte; da werden Triumphe der Kraft, der Ausdauer, der Gewandtheit und Entschlossenheit gefeiert, und wie zu großen, kühnen Thaten zieht der Jäger, wenn die Sterne erlöschen, am frischen Herbst- oder Wintermorgen in frischem Muthe in den Wald. Mancher Eber, der verwundet, vor Zorn knirschend, seinen Mann annahm, ist in dem Reviere um das Jagdschloß erlegt worden; mancher stattliche Hirsch ist dort unter dem Feuer zusammengebrochen. Eine der größten Jagden war 1821 zu Ehren des Staatskanzlers Hardenberg. — Während das Hochwild anderwärts immer mehr verschwindet, dauert es hier fort, und auch in dieser Beziehung ist die Haide um das Jagdschloß wie ein Ueberrest eines Urwaldes. —

Die Freuden der Jagd sind nur für Wenige; aber Jedem will der Wald eine Freude bieten. Die Befriedigung, welche er gewährt, ist bedingt durch die Stimmung, in welcher er betreten wird. Das Kind, dessen Seele die Stürme des Lebens noch nicht bewegten, geht, geleitet von schützender Hand, in den friedlichen Wald und freuet sich der lieblichen Waldblumen. Es windet sich aus ihnen einen Strauß, es windet seine Liebe zur Mutter hinein und gar lange und gern gedenkt es des schönen Waldes. Andere Blumen hat der Wald für den, dessen Herz der Liebe Macht gerühret. Inniger wird in der tiefen Ruhe der Natur das Sehnen der Seele; näher tritt ihr in der Einsamkeit das Bild, in das sie sich versenket; wie der Wald in frischem, grünen Leben athmet, schlägt das Herz in Wonne und seligem Glücke, und unvergeßlich bleibt die schöne Stunde, in dem Walde verlebt, allein und doch nicht allein. — Eine andere Gabe hat der Wald, der hohe, kräftige Wald, für den, hinter welchem, wie hinter jenem, eine lange Vergangenheit liegt. Da, wo unter kräftigen, alten Stämmen, neue frische Bäumchen emporwachsen, tritt in dem Immergrün des Waldes die Erinnerung an uns heran. Und sie führet uns zurück an diesem traulichen Plätzchen in die Tage und Träume der Kindheit, in die herrlichen Tage der Jugend, wo in der schwellenden Lebenskraft voller mannigfache, hohe Ideale der Seele entblühten. Sie kommen wieder die alten, hohen Gestalten, die einst mit wunderbarer Macht das Getriebe des Geistes bewegten, und gern gedenken wir der Stunde, in welcher wir in dem Walde verweilten, an dem Borne der Erinnerung, der uns gestärkt und erquickt hat. — Und eine andere Gabe hat der Wald für den, der sich losreißt aus dem Regelzwange, der ihn täglich umgiebt: — in ihm ist Freiheit und Wahrheit der Natur! Einen reichen Trost hat der Wald für den Betrübten: — da ist es, als wenn die Zweige mitfühlend sich senkten, als wenn ersterbende Aeste das Loos des Verwelkens theilten, als wenn des Lebens Kräfte sich neu gestalteten über Verlusten, Trümmern und Ruinen. Eine Gabe, eine Freude, eine Befriedigung hat für Jeden der Wald! — Hierin aber thut es diesem Walde mancher andere gleich. — Aber worin liegt der eigenthümliche Reiz, welchen grade das Jagdschloß mit seinen nächsten, mit seinen entfernteren wilden Umgebungen auf das Gemüth ausübt? In demselben Genusse, der uns wird, wenn wir in das Epos das liebliche Idyll eingeflochten finden. In unwiderstehlichem Zauber wirkt dieser Gegensatz, oder vielmehr dieser Verein des Erhabenen und Ernsten mit dem Lieblichen und Heitern in dem klassischen wie in dem romantischen Epos. Der Meister der Sänger, der alte Homer, lenket gar oft den Blick von seinen Helden, von ihrem Ringen um Ilion, von den blutigen Preisen desselben, auf des Hauses friedlichen Kreis, wo die Andromache den geschäftigen Dienerinnen gebietet, wo sie webt an herrlichen Gewändern; der göttlicher Dulder Odysseus findet nach Wogen und Stürmen, in welchen ihn des Poseidon Groll verfolgte, manche liebliche, idyllische Stätte, sei es bei der Kirke, sei es bei den Phäaken; selbst im alten Testament erhält das herrliche Familien-Gemälde, das Buch Ruth, abgesehn von Anderm, einen hohen Reiz, weil es mitten in die Kämpfe der Richterzeit eingezeichnet ist. Und so findet sich, wollten wir weiter blicken, gar oft das Idyll in das Epos meisterhaft eingewebt. Wie Idyll und Epos verhalten sich die näheren und entfernteren Umgebungen des Jagdschlosses. —

Da ist ein freundliches Schlößchen dazu bestimmt, von Zeit zu Zeit Glieder einer hohen Familie aufzunehmen; da sind des Schlosses wegen, in der Nähe desselben, einige Gebäude, in welchen die Stille des Waldes von den Geschäften des Lebens unterbrochen wird. Gar freundlich sind die nächsten Umgebungen der Gebäude. Blumen- und Strauchgruppen verrathen die Hand, die sie sorgfältig, um zu erfreuen, gepflanzt hat. Theils vereinzelt, theils in Gruppen folgen Bäume, deren Anblick den Frohsinn weckt: Linden mit ihrem lebhaften Wuchse, Weiden, Erlen, Akazien, Birken mit ihrer weißen Rinde, Ahorn und Eschen mit ihren leichten Kronen. Die garten- und parkartige Umgebung des Schlosses zeigt von ihrem Zwecke, dann und wann die Stätte reiner, ländlicher Freuden zu sein, zu welchen es mächtig zieht aus dem Glanze der Paläste und den gemessenen Formen des Lebens. Sie trägt den Charakter des Idylls. — Doch den Epos hat der nahe Hochwald. Da ist Unwirthlichkeit und Wildniß; da hat nur die Natur gewirkt. Düstere Fichten wechseln mit Kiefern, Tannen und Eichen. Die kräftigen gigantischen Gestalten derselben scheinen nach einem Preise zu ringen, nach dem des Hervorragens und der Höhe. Sie suchen gleich Helden ihren Feinden zu trotzen: der Zeit, den Stürmen und Blitzen. Feierliche Stille, geheimnißvolles Schweigen wie vor großen Thaten herrscht im Walde, und wie das Epos bringt er das Gefühl des Erhabenen und Ernsten.

Der Genuß der Natur und die Freude an derselben hängt von den Voraussetzungen für dieselbe in unserm Leben ab. Sie spiegelt die Zustände desselben wieder. Daher aber wird das Jagdschloß mit seinem herrlichen Walde einen bleibenden Reiz behalten für die, deren Leben mehr oder weniger Epos ist, für die, welche durch Rang und Geburt dazu bestimmt sind, einzugreifen in die Gestaltungen der Zeiten und menschlichen Verhältnisse, für die, denen so ein Kranz des Ruhmes wie die in dem eposgleichen Leben von Zeit zu Zeit die Freuden und den Frieden der Natur suchen, um sich zu neuen Thaten zu stärken — das Idyll in dem Epos. Deshalb aber hat Fürst Pückler-Muskau, wie Andere, das Jagdschloß besonders geliebt, und gern weilt daselbst der jetzige, mächtige, königliche Standesherr, wenn er aus den fernen Niederlanden, aus dem Glanze des Hofes nach Schloß Muskau mit seiner grünen Umgebung kommt.