„Da bin ich!“ sagte er mit ganz besondrer Freudigkeit. Was lag ihm jetzt daran, ob sie einst fortging. Jetzt war sie da, und er bei ihr.

„Himmel!“ rief sie, „Sie sehen aus wie vor zwölf Jahren — so gewissermaßen glückselig übermüthig.“

„Fahren Sie aus, gnädige Frau?“ fragte er, denn sie war im Pelz und ein Diener stand hinter ihr.

„Ich gehe aus, es ist so schön! ich muß in die Stadt, muß etwas kaufen für Ignaz, dessen Geburtstag morgen ist — ich weiß nur nicht, was und nicht wo.“

„Darf ich Sie zu Rey führen?“

„O ja .... aber ich schäme mich Ihrer ein wenig, denn Sie sehen wahrlich aus, als hätten Sie nicht übel Lust, unter den Linden einen Freudensprung zu machen.“

Sigismund versicherte, ganz gesetzt einher wandeln zu wollen. Sie gingen zusammen aus. Es war ein prächtiger Wintertag. Lauter Krystall, und die Sonne durchfunkelte ihn. Und die Herzen waren auch frisch und hell wie Krystall, und die Aurora der Liebe dämmerte ihren bezaubernden Prismaschein in sie hinein. Aber sie sprachen von den allergleichgültigsten Dingen, und amüsirten sich dennoch vortrefflich. Ich gestehe, nichts hat mir einen höhern Begriff von der Zaubermacht der Liebe beigebracht, als die Bemerkung, daß wenn zwei Menschen unter ihr stehen, kluge, gescheute, geistreiche Menschen, die sonst ziemlich viel Aufwand von Verstand begehren oder machen, wenn sie sich bei einem Gespräch unterhalten sollen, — daß die ganz befriedigt sind, und die Conversation vollkommen nach ihrem Geschmack zu finden scheinen, wenn der Eine spricht: „Heut ist schön Wetter!“ — und der Andre antwortet: „O wunderschön.“ — So gewiß ist’s, daß man nicht durch den Geist glücklich ist ... nur durch das Herz. Aber dennoch glaub’ ich auch, daß auf die Dauer ein wenig Geist der Liebe keinen Schaden thut. Sie hat nur so ihre kindlichen Momente, wo sie gleichsam in der Wiege liegt und lallt. Da ist sie noch nicht bis zum Geist, bis zum Bewußtsein vorgedrungen, da hat der Schmetterling erst eben seine Raupenhülle abgestreift, und die Schwingen noch nicht versucht; und da meint er noch, in dem Rosenkelch, wo er geboren sei, müsse er leben und sterben. Später wagt er denn doch den Flug, und bis zum Himmel hinauf; und dazu gehören denn freilich alle Kräfte der Psyche.

Tosca war nicht zufrieden mit den Sachen, die man ihr bei Rey zeigte. „Was soll ein Mann mit all solchen Kinkerlitzchen anfangen?“ fragte sie. „Lieben Sie dergleichen Kram?“

„Als Geschenke von lieben Händen — sehr.“

„Das ist was Anders! auf dem Fuß steh’ ich nicht mit Ignaz. Warum lachen Sie?“ rief sie, als Sigismund nicht ein Lächeln unterdrücken konnte.