„Ich weiß nicht,“ rief Sigismund, „wie Ihr Geschlecht zum Prädikat des schwachen gekommen ist, gnädige Frau! da es doch unleugbar das stärkere ist. Wir haben freilich die Kraft, aber bei der Frau ist die Macht.“

„Die Leute sehen sich nur auf der Oberfläche um und nach außen: da tritt ihnen die Kraft überwältigend entgegen. Um die Macht zu erkennen, muß man tiefer gehen, muß eigene Beobachtungen und Erfahrungen gemacht haben, wozu ich, als Frau, natürlich nie Gelegenheit hatte.“

Sigismund schüttelte den Kopf und sagte: „Jede Frau ist sich ihrer Macht bewußt“ .... —

„Vielleicht in sehr glücklichen Verhältnissen,“ unterbrach ihn Tosca. „Im Allgemeinen scheitert dies Bewußtsein an der Kraft des Mannes, die oft .... Härte ist.“

Ihm schien, als ob sich eine Wolke über ihre schönen Augen legen wolle. Darum fragte er hastig und scherzend:

„Ich bitte, gnädige Frau, bin ich etwa auch mit einigen von den ‚kleinen Dingen’ behaftet, die Sie unpassend für einen Mann finden?“

„Ich kann’s nicht leiden,“ entgegnete sie, „wenn ein Mann Bonbon liebt, Parfüms braucht, helle, bunte Farben im Anzug trägt, und kleine Hände hat. Das Alles hat einen gewissen gebrechlichen Anstrich, den ich nur uns gestatte.“

Ignaz hatte heute viel zu leiden, obgleich Tosca Geburtstagsgeschenke für ihn einkaufte; denn dies Alles war gegen ihn gesagt.

„Wie Sie mich demüthigen, gnädigste Frau!“ rief Sigismund; „die einzige Schönheit, welche ich mir schmeichelte zu besitzen, eine wohlgebildete Hand — belegen Sie mit dem Anathema.“

„Ja,“ sagte Tosca lachend, „wenn Ihre Hand nicht durchgearbeitet, stark und geschmeidig aussieht — wenn sie nicht aussieht fest und bestimmt, als wisse sie zu halten, was sie ergriffen, zu stützen, was sich ihr anvertraut, durchzuführen, was sie begonnen hat: so haben Sie eine ganz unschöne Hand, zu der Niemand auf der Welt Vertrauen haben wird.“