Sie wußte sehr genau, welch eine schöne, edelgebildete Hand Sigismund hatte, und er freute sich unglaublich, daß sie es ihm in dieser Weise sagte.
„Also eine ganze Theorie über die Bildung der Hände steht Ihnen zu Gebot?“ fragte er.
„Gewiß! ich kenne Jemand, der aus dem Fuß und dem Gang der Menschen Schlüsse auf ihren Charakter macht; weshalb sollt’ ich nicht aus der Hand und ihren Bewegungen?“
„Für den Scherz ist das Alles sehr gut, für den Ernst sehr gefährlich.“
„Ach!“ rief Tosca, „mit all meinen Beobachtungen komme ich doch nicht vom Fleck! es ist mir nicht Ernst damit. Ich frage meinen Mann, was er von Diesem und von Jenem hält; und danach richt’ ich mich ein. Das ist ungleich bequemer.“
Während sie das sagte, fiel ihr ein, daß sie bei Sigismund eine Ausnahme von dieser Gewohnheit gemacht, und den General nie um seine Meinung über ihn gefragt hatte. „Denn ich kannte ihn früher,“ — sagte sie sich heimlich, wie zu ihrer Rechtfertigung.
„Und warum verschmähen Sie, durch eigene Beobachtung zu einem Urtheil zu kommen?“ fragte er.
„Weil ich ihm so gern dankbar und verpflichtet mich fühle,“ entgegnete sie ruhig.
Sigismund antwortete nichts. Er sah sie an mit einem Blick voll Ehrfurcht und Huldigung. Könnte ein demüthiges Herz je triumphiren, so würde dies Gefühl jetzt Toscas Herz bewegt haben, denn zum ersten Mal fiel es ihr ein, daß ihr Leben schön und edel sein möge. Sie hatte nie daran gedacht; sein Blick sagte es ihr. „Aber das Schöne und Edle wird geliebt“ — sprach heimlich eine Stimme in ihr — „und nur das!“
Sie fuhr zusammen und sagte fast ängstlich: