„Ignaz hat mir gestanden,“ sagte Tosca ein wenig verlegen, „daß seine Mutter sehr ... ja, ganz außerordentlich an Geld und Gut hange; da würde sie vielleicht doch nicht damit zufrieden sein.“
„Es wäre doch des Versuches werth, gnädigste Frau. Ich gestehe Ihnen, ich zweifle nicht an friedlicher Ausgleichung.“
„Und das wäre vielleicht ein Mittel, um sie mit ihrem Sohn zu versöhnen!“ rief Tosca lebhaft.
„Ist sie mit ihm entzweit?“ fragte Sigismund.
„Ja,“ sagte Tosca, vertrauenvoll nacherzählend, was Ignaz ihr vorerzählt hatte; — „weil sie mit ihrem Bruder gespannt war, so mißbilligte sie es, daß Ignaz zu uns kam, und hat ihn in den ganzen drei Jahren nicht sehen wollen. Da sie aber so am irdischen Gut hangen soll, so mein’ ich, wird sie ihm seinen Ungehorsam verzeihen, wenn sie einsieht, daß sie ihm das ersehnte Vermögen verdankt. Dann, welch’ eine Freude für Ignaz!“
Sigismund dachte auf der Stelle, daß Ignaz, wenn er wirklich nicht im guten Vernehmen mit seiner Mutter lebe, wol im Stande sein könne, die Erbschaft für sich allein zu wünschen und ... zu behalten. Eingedenk der eilf Geschwister, welche ihn damals in Toscas Mund so heftig erschreckt hatten, bestärkte er Tosca in ihrer Ansicht, die Erbschaft mit Gräfin Adlercron und nicht mit ihrem Sohn zu theilen, weil sie die natürliche Erbin des Generals sei. An der Freude, welche Ignaz nach Toscas Meinung empfinden würde, zweifelte Sigismund heimlich; aber er sprach den Zweifel nicht aus. Möge sie ihn immerhin für gut und redlich halten, dachte er, sobald Ignaz dies Vertrauen nicht mißbrauchen kann, so schadet es ihr nichts.
Tosca bat Sigismund ihr einen verständigen und zuverlässigen Mann zuzuführen, dem sie diese Angelegenheit übertragen könne. Er versprach es. Dann wechselten sie noch ein Paar Worte über ihr Befinden, und Sigismund ging ernst und gelassen, wie er gekommen war, und ebenso blickte Tosca ihm nach; aber Beiden war zu Muth, als hätten sie ein neues Leben angetreten.
Tosca war ein Paar Tage hindurch nicht wohl. Der Rückschlag der heftigen Emotionen machte sich durch nervöse Abspannung fühlbar. Sie litt nichts Bestimmtes, aber sie fühlte sich durch und durch leidend, wie das zart organisirten Personen geht, welche nicht an schmerzlich aufregende Erschütterungen gewöhnt sind. Sie sah Ignaz alle Tage auf kurze Zeit, und Sigismund gar nicht. Daraus schöpfte Ignaz Hoffnung, und als sie sich eines Abends besser befand, sprach er ihr sein Entzücken darüber so lebhaft aus, daß er sich dafür einen kleinen Vorwurf von ihr zuzog.
„Wie kann ich anders!“ rief er, und kniete neben dem Sopha nieder, auf dem sie lag; „Sie wissen ja, daß mein Herz voll von Ihnen ist.“
„Ja, nebenher!“ sagte Tosca lächelnd.