Sigismund kam sogleich. Er hatte seinen Schwager zur Eisenbahn das Geleit gegeben, und Agathe durch ihn dringend beschwören lassen, ihm morgen zu schreiben, ihn nicht länger zu quälen; er sei wie auf der Folter.

„Ich sehe Dir wohl die Aufregung an, mein Alter,“ erwiederte Friedrich. „Warte nur! ich werde es der Agathe so beweglich vorstellen, was und wie Du leidest“ .... —

„Nein, nein! um Gottes willen, sag’ ihr nichts, gar nichts, als daß sie mir zwei Zeilen schreiben soll!“ rief Sigismund heftig.

Und kopfschüttelnd versprach Friedrich den Auftrag auszurichten.

Tosca erschrak über Sigismunds Aussehen. Es giebt einen gewissen fatiguirten Zug um Mund und Wange, der deutet auf körperliche Erschöpfung, und einen fatiguirten Zug um die Augen, der auf seelische deutet. Dieser Zug in einem geliebten Antlitz ist herzzerschmelzend oder herzzerreißend — je nachdem man das Bewußtsein hat, ihn verscheuchen zu können, oder nicht. Tosca wagte nicht, sich diese Kraft zuzutrauen. Sie fragte schüchtern und traurig:

„Wie geht es?“

„Schlecht ... — schlecht!“ antwortete Sigismund langsam und gepreßt.

Tosca hätte gern weiter gefragt: Schlecht? und ich liebe dich! Aber liebst du mich denn nicht? — Allein Sigismund imponirte ihr durch seine unerschütterlich gleichmäßige Haltung, so daß sie ihm höchstens auf ähnliche Fragen geantwortet, jedoch nimmer den Muth gehabt hätte, sie an ihn zu richten. Sie nahm all’ ihre Kraft zusammen, gab ihm die Akte, und bat ihn sie durchzusehen. Sigismund that es, aber seine Hand, die das Papier hielt, zitterte.

„O Sie sind krank!“ rief Tosca, stand auf und nahm das Papier.

Sigismund sprang lebhaft auf, ergriff ihre Hand und rief überwältigt: „Aber Tosca, könnten Sie mich denn lieben?“