„Ist sie liebenswürdig?“ sagte der General lächelnd zu seinem Neffen.
„Ach, ich bin unglückselig!“ rief Ignaz. „Eine solche Aeußerung müßte mir ja wenigstens Flügel und Zauberstab verleihen, und statt dem Allen steht mir nichts zu Gebot, als ein Miethwagen .... und mein guter Wille.“
„Mit dem guten Willen macht man hübsche Phrasen und weiter nichts!“ sagte Tosca lachend.
„Ich gehe schon, ich gehe!“ rief Ignaz; „aber gestehen Sie, daß es hart ist, nie ein Wort der Zufriedenheit zu hören .... wenigstens kein directes.“
Er verließ das Zimmer. Tosca blickte ihm seltsam nach, und der General sagte:
„Welch ein Mensch! welch ein goldnes Herz an Treue und Ergebenheit. Wahrlich, er gehört nicht unsrer Zeit und unsrer Welt an.“
„Das denk’ ich auch .... zuweilen,“ sagte Tosca. Ihr Mann sah sie fragend an. „Ja,“ fuhr sie fort, „mit dem Alter, glaub’ ich, kommt uns der Zweifel, und ich werde älter und immer älter, und da mein’ ich zuweilen, der Ignaz spiele Komödie.“
„Wenn er das thut,“ entgegnete der General, „so hat er sich wenigstens eine schöne und schwere Rolle gewählt.“
„O, nicht schwer!“ rief Tosca. Sie setzte sich zu ihrem Mann, sie nahm seine abgemagerte Hand in ihre weichen feinen Hände, sie sah ihm mit tiefer Innigkeit in das blasse, greisenhafte Gesicht.
„Doch! doch! mein guter Engel,“ antwortete er traurig. „Welch ein Leben führt Ihr Beide, Du und er, seit drei Jahren. Es ist hart in Eurem Alter Krankenpfleger sein zu müssen.“