„Für ihn vielleicht, nicht für mich, denn ich thue ja nichts weiter für Dich, als daß ich bei Dir bin .... und auch das erlaubst Du mir ja nicht immer.“

„Gewiß nicht!“ sagte der General eifrig; „Du mußt ausgehen, mußt mit Menschen verkehren, mußt Dir die Welt ansehen und ihre Huldigung und Bewunderung hinnehmen. Ja, das mußt Du! dazu bist Du geboren, und ich bestehe vielleicht aus Egoismus darauf. Nicht als ob es mir schmeichelte, Dich gefeiert zu wissen — wie das so oft alten Männern von schönen jungen Frauen geschieht — sondern weil es Deiner Eigenthümlichkeit zusagt, sich in bunten Kreisen zu bewegen, weil es Dich anregt, Dich heiter stimmt, Dir Gelegenheit giebt, Deine Liebenswürdigkeit zu entfalten; und weil der Mensch, wenn er sich auf seinem rechten Platz fühlt, zufrieden mit sich und mit Andern ist und Muth und Laune nicht verliert, die Du doch so sehr nöthig hast bei Deinem alten kranken Mann. Du siehst, wie egoistisch ich bin.“

„Wie gut Du bist,“ sagte Tosca sanft. Sie weinte nicht, aber die Thränen fielen ihr langsam und fest aus den diamantnen Augen. Der General machte eine leise verneinende Bewegung mit dem Kopfe.

„Ich kann besser Blut sehen als Thränen,“ sprach er.

Tosca schloß einen Moment die Augen, und that sie frisch und stralend auf. Er nickte ihr freundlich zu.

„Sag mir,“ hub er wieder an, nachdem er sich im Zimmer umgesehen, „wie heißt der Mann, den wir aus dieser freundlichen Wohnung vertrieben haben?“

„Regierungsrath ist er,“ antwortete sie; „die Hauswirthin nannte auch seinen Namen, aber, wie das bei Präsentationen immer geht, ich verstand ihn nicht.“

„Gleichviel! ich mögte doch sehr gern seine Bekanntschaft machen. Solche Bereitwilligkeit gegen wild-fremde Menschen ist erstaunenswerth.“

„Das dächt’ ich doch nicht,“ sagte sie gelassen.

„Lieber Engel, die meisten Leute scheuen weniger ein großes Opfer, als eine große Unbequemlichkeit, und eine solche haben wir ihm doch verursacht.“