„Sie wissen, wie ein freundliches Wort, ein holder Blick von Ihnen mich beseligt: weshalb denn geizen Sie so unbarmherzig damit?“

„Ich geize nicht, Ignaz, ich verschwende nur nicht,“ antwortete sie ruhig, lehnte sich im Sopha zurück und ließ ihn knien.

„Tosca!“ sagte er und schüttelte langsam und nachdenklich den Kopf, „Sie sind schön, Sie sind geistreich, Sie sind edel, Sie sind liebenswürdig...“

„Ja, ja, ja! ich bin vollkommen!“ unterbrach sie ihn.

„Nein,“ entgegnete er, „vollkommen sind Sie nicht.“

„Gott sei Dank!“ rief sie, „Gott sei Dank! denn vollkommne Menschen, hab ich mir sagen lassen, würden nicht geliebt — nur bewundert.“

„Aber warum wollen Sie geliebt werden? was liegt Ihnen an Liebe? — Sie lieben ja nicht wieder! Das ist Ihr einziger Fehler, Tosca, Sie haben ein eiskaltes, ein marmornes Herz: Sie können nicht lieben.“

„O doch!“ sagte sie höchst gelassen; „ich liebe meinen Mann, und nächst ihm — Sie.“

Ignaz sprang auf und rief heftig: „O entweihen Sie nicht die Liebe, indem Sie jenes dürftige Gefühlchen so nennen.“

„Dürftig wie es ist, füllt es mein Herz aus. Ich kann nicht dafür, daß Gott es so eng und klein gemacht hat,“ entgegnete sie spöttisch.