Sigismund blickte ihr nach. Er fand sie eine wunderherrliche Erscheinung, voll unsäglichem Adel, aber, dachte er noch immer mißtrauisch, warum spricht sie so viel von ihrem Mann? Tosca kehrte zurück.
„Vergebung,“ sagte sie, „ich hörte eine kleine Schelle, durch die mein Mann mich zu rufen pflegt.“
Sigismund stand auf.
„Ah!“ rief sie lachend, „haben Sie es übel genommen, daß ich Sie allein gelassen?“
„Ich muß mich wol sehr schlecht auf Pantomime verstehen, wenn Sie, gnädige Frau, die meine so deuten,“ antwortete er und setzte sich wieder.
Sie sprachen allerlei, über fremde Länder, Reisen, Kunst, Gesellschaft, Schicksale. Tosca hatte Vieles gesehen, Manches gedacht, Einiges empfunden, und — Nichts erlebt. Sie war an Allem vorbei geglitten, wie unter einer Taucherglocke oder wie in einem Luftballon. Erfahrung und Menschenkenntniß hatte sie gar nicht. Welch eine himmlische Unvollkommenheit! dachte Sigismund, und er konnte sich nicht enthalten, ihr diese Bemerkung auszusprechen.
„Das kann wol sein,“ erwiderte Tosca. „Ich bin mit nichts und mit Niemand in Conflict gerathen ... mein Mann denkt, sorgt, thut für mich; wie hätte ich es da wol anfangen sollen, um klug zu werden... — oder weltklug, wenn Sie lieber wollen,“ setzte sie mit heiterm Lächeln hinzu.
„Ich stelle es mir als das höchste Glück des Mannes vor,“ sagte Sigismund, „in dieser Weise neben einer Frau stehen zu können. Er kämpft für sie den ganzen Kampf mit der Wirklichkeit, und sie freut sich der Trophäen seiner Siege, ohne zu wissen, welche Anstrengungen sie ihn kosten.“
„Und dann,“ sagte Tosca mit fröhlichem Spott, „wird die Frau so prächtig bequem durch ihre Unwissenheit beherrscht.“
„Immer noch spöttisch wie sonst,“ sagte Sigismund.