Beau cousin,“ antwortete sie gleichmüthig, „die Theilnahme der Freunde ist sehr wohlthätig, so lange sie nicht in Zwang und Zudringlichkeit ausartet.“

„Das ist die Entschuldigung der Undankbarkeit!“ rief Ignaz immer heftiger.

Sigismund kam in dem Augenblick die Treppe herab, um auszugehen. Er hörte die heftige Stimme im Salon; sein geheimer Groll gegen Ignaz, dem er sie zuschrieb, erwachte; er wünschte ihn zu stören, und fragte den im Vorsaal sitzenden Diener, ob er die Frau Generalin sprechen könne. Der öffnete sogleich die Thür, und als Sigismund eintrat, rief ihm Tosca freudig entgegen:

„Es geht gut, recht gut! aber sagen Sie mir, welcher gute Geist Sie über Nacht herführte?“

Ignaz fuhr zusammen. Er war so überrascht, daß er vergaß sein Gesicht zu beherrschen, und daß aus seiner verbindlichen Miene ein Blick, wie ein plötzlich gezückter Dolch auf Sigismund flog. Der beachtete ihn nicht, sondern gab an Tosca die begehrte Antwort, und bat um Erlaubniß, am Abend wiederkommen zu dürfen.

„Das haben wir längst gewünscht,“ sprach sie, und Sigismund ging gleich darauf.

Kaum war er fort, so brach bei Ignaz ein wahrer Sturm aus. Vorwürfe, Bitten, Warnungen, Bestürmungen jagten einander. Tosca zuckte stumm die Achseln. Endlich rief sie:

„Mit welchem Recht sagen Sie mir eigentlich all diese Impertinenzen! ich bin wahrlich recht gütig, daß ich Ihnen nicht die Thür weise, und meine Liebe für meinen Mann muß sehr groß sein, um die Insolenz seines Neffen ertragen zu lassen.“

„Insolenz!“ rief Ignaz, und fiel wie geknickt in einen Stuhl. „Sie nennen Insolenz, wenn mir das Herz bricht, weil ich sehe, daß Sie einem wildfremden Manne Bevorzugungen gestatten, die Sie mir versagen.“

Tosca lachte hell auf: „Sie werden wahrhaft ergötzlich, armer Ignaz! Wären Sie vorhin nicht in Wuth gewesen, hätten Sie dem ‚wildfremden Mann,’ wie Sie ihn nennen, zugehört, so würden Sie jetzt wissen, wie es mit diesen Bevorzugungen zusammenhängt — ein Wort,“ setzte sie sehr ernst hinzu, „das übrigens mir gegenüber in Ihrem Munde höchst unstatthaft ist.“