„Ich glaub’, ich bin schläfrig, denn ich habe ein wenig geträumt.“

„Ich finde, es träumt sich am Besten ohne Schläfrigkeit, mit recht wacher Seele,“ sagte Sigismund.

„Was hör’ ich!“ rief Tosca und schlug die Hände mit komischem Erstaunen zusammen; „Sie wissen von Träumen, die man mit offenen Augen träumt? Sie? ein Mann! ein Regierungsrath! — Aber sagen Sie mir, thut das Ihrer Carriere keinen Schaden?“

„Was die betrifft,“ entgegnete Sigismund, „so ist sie dermaßen miserabel, daß meine kleinen Liebhabereien oder Absurditäten ihr keinen Eintrag zu thun im Stande sind.“

„Die Klage rührt mich gar nicht!“ sagte Tosca. „Alle Frauen klagen, daß sie nicht verstanden werden, und alle Männer, daß sie eine elende Carriere machen; das ist so in der Ordnung, denn unser Herz und Ihr Ehrgeiz sind nicht zu befriedigen.“

„So sind wir zwiefach beklagenswerth, gnädigste Frau,“ antwortete Sigismund lächelnd; „denn auf diese Weise leiden wir und machen leiden.“

„O was das Leidenmachen betrifft,“ rief Tosca, „darüber trösten sich die Männer gar leicht, und durch den Ehrgeiz zu leiden, das, denk’ ich mir, muß ein recht angenehmer Stachel sein, weil er zu lebhaften Bestrebungen anregt.“

„Kein Stachel ist angenehm,“ sagte Sigismund, „denn er überreizt uns leicht.“

„So?“ rief Tosca spottend; „Sie sind also, wie ich sehe, bequem und gemächlich für Rosen ohne Dornen?“

Plötzlich fiel ihm ein, daß sein Schwager Friedrich ehedem Tosca Dornenröslein zu nennen pflegte, und daß sie wol noch jetzt ganz den lieblichen Namen verdienen möge. Er antwortete lächelnd: