„Ich würde es vielleicht sein, wenn ich das wundersame Glück hätte, eine solche Rose zu finden.“

„Dann müßte aber noch das Mirakel geschehen,“ sagte Tosca, „daß die Rose Ihnen nicht fade erschiene.“

„Mirakel gehört zu jedem Glück, gnädige Frau! oder vielleicht ist jedes Glück ein Mirakel, das uns in Sphären wirft, oder zu Zielen führt, die wir ohne sie, durch Mühsal, Anstrengung und Berechnung, nimmer erreicht hätten.“

„Ob solche Mirakel selten sind?“ fragte sie nachdenklich.

„Ich denke, wol sehr selten! man muß die Seele haben, um sie aufzufassen, und das Auge, um sie zu erkennen; ach, und im Leben wird jene so leicht matt, und dieses so früh stumpf“ ... —

„Denn wir tragen Brillen!“ rief Tosca neckend.

„Leider!“ sagte Sigismund mit Achselzucken.

„Wie kann ein ehrlicher Mann Brillen tragen!“ rief sie.

„Tosca!“ sprach der General ein wenig ermahnend.

„Ich frage: wie kann er?“ fuhr sie fort und wendete sich zu ihm; „ich sehe Dir ins Auge und Du mir, und wir lesen so das Seelenaccompagnement zu unsern Worten. Wer Brillen trägt, liest es ebenfalls im fremden Auge, während das seine versteckt hinter einem gläsernen Wall liegt. Das ist ein Kampf mit ungleichen Waffen, und ist der ehrlich?“