„Ohne diesen kleinen gläsernen Wall,“ sagte Sigismund und nahm seine Brille ab, „ist mein Gegner im entschiedenen Vortheil — denn er sieht, und ich bin blind.“
„Darum,“ sprach Tosca lieblich, „sollen Sie sie auch draußen in der Welt, wo es Gegner giebt, tragen, doch nicht zwischen Freunden. — Und schon aus Eitelkeit sollten Sie es nicht thun!“ fuhr sie fort, ohne ihm Zeit zur Antwort zu lassen; „eine solche Maschine im Gesicht entstellt ja, und es giebt nichts Anmuthigeres, als den sanften, kurzsichtigen Blick einer Frau! da ich scharf wie ein Falke sehe, so darf ich das sagen.“
„Ja, einer Frau!“ wiederholte Sigismund, der an Agathens sammetschwarzes und sammetweiches kurzsichtiges Auge erinnert ward; — „aber was bei einer Frau reizend ist, kann bei einem Mann linkisch aussehen.“
„Das ist wahr!“ rief Tosca lachend.
Ignaz trat ein. Unwillkürlich, als fühle er sich dem Gegner, von dem er gesprochen, gegenüber, setzte Sigismund seine Brille wieder auf. Die Unterhaltung nahm eine andre Wendung. Ignaz kam aus der italienischen Oper.
„Einen Act hab’ ich anhören können,“ sagte er, „mehr nicht. Eine italienische Oper, die nicht erster Ordnung ist, ist unaushaltbar. Diese Art der Musik begehrt die Perfektion des Vortrags. Sie würden nicht zufrieden sein, schöne Tante.“
„Dann geh’ ich lieber gar nicht hin,“ sagte Tosca.
„Sie sollten doch — um selbst zu hören und zu urtheilen,“ sagte Sigismund.
„Wie mühselig!“ rief sie, und legte den Kopf bequem auf die Rückenlehne des Stuhls.
„So träge?“ fragte Sigismund lächelnd.