„Ich denk’ es! mein Wort darauf!“
„Das ist gut! man muß nicht exclusiv sein, denn man thut Andern weh und sich selbst nicht wohl. Aber ist es nicht ungemein interessant, in welcher feinen, geheimnißvollen und doch so gewichtigen Verbindung Menschen zu einander stehen, welche äußerlich und flüchtig aneinander vorbei gestreift sind? Wir sollten doch wirklich mehr auf uns und unser Thun und Lassen achten, da wir gar nicht wissen können, in welcher vortheilhaften oder nachtheiligen Weise wir dadurch auf Andre einwirken.“
„Die Schicksale blitzen vom Himmel herab,“ sagte Sigismund, „unbekümmert ob wir uns so oder so beachten! Einen unbeachteten Punkt giebt’s ohnehin immer in uns, und er wird getroffen oder trifft.“
„Dann sind wir willenlose Maschinen in Ihren Augen?“
„Nein! der Wille bleibt uns, um die Schicksale zu zerbrechen, oder uns selbst. Aber um zu sagen: in dieser oder jener Weise will ich wirken — dazu, mein’ ich, ist unser Wille nicht stark genug, obgleich wir uns in der Jugend einbilden, nichts sei leichter, und wir dürften nur immer gradeaus gehen und sehen, um zu diesem Ziel zu gelangen.“
„Wie traurig, daß aus den kühnen, hochfliegenden Träumen der Jugend nichts wird, als eine lahme, matte Wirklichkeit.“
„O, sie ist nicht matt, gnädige Frau! ... wenigstens nicht immer. All unser Heil liegt in ihr, und ein tieferes, ein ächteres, als in unsern jugendlichen Träumen; denn die Wirklichkeit ist nicht die schaale und mittelmäßige Alltäglichkeit, die wie Staub und Nebel an uns vorüber weht und uns keinen bestimmten Eindruck zurückläßt; das Bleibende und Wahrhafte in ihr: das ist die Wirklichkeit, und ich gestehe Ihnen, ich habe sie schöner gefunden, als meine Träume.“
„Das freut mich sehr! dann müssen Sie Sich ungemein glücklich fühlen.“
„Zuweilen, wenn diese Ueberzeugung recht klar in mir aufwacht — ja! Zuweilen, wenn ich mir sagen muß: sie ist schöner, aber sie gehört mir nicht! dann — nein!... Und wo wäre der, der sich das nicht sehr oft sagen müßte?“
„Mit nichten!“ rief Tosca; „man sage sich doch lieber immer, daß man das Schönste und Beste erreicht habe, was auf dem eingeschlagenen Wege zu erreichen war.“