Sigismund lachte. „Das ist doch keine ordentliche Antwort,“ sagte Agathe kopfschüttelnd.

„O,“ rief Sigismund, „sieh mich an, Agathe! sieh mich an mit Deinen guten lieben Augen! und freundlich, Agathe, nicht besorgt! Glaube mir, wenn ich bei Dir bin, so fehlt mir nichts, und wenn ich nicht bei Dir bin, so fehlt mir auch nichts — als Du.“

Agathe versuchte ihn anzusehen, aber ihre Augen füllten sich mit Thränen; um sie zu verbergen, schlug sie die Augen nieder. Es war ein so milder sanfter Ausdruck in ihrer ganzen Erscheinung, daß Sigismund vor dem Gedanken bebte, diesem Mädchen auf irgend eine Weise weh zu thun.

Der Abend verging gut. Die Erinnerung an den gestrigen stieg zwar ein Paarmal lebhaft in Sigismund auf, wenn er dessen extatische Emotionen mit dem Stillleben des heutigen verglich. Aber er schob sie gewaltsam zurück, und wiederholte heimlich: heute ist’s besser! — In dem Glanz des gestrigen Abends stand Tosca wie die Rose in einem persischen Gedicht; in dem Frieden des heutigen erschien ihm Agathe wie das Veilchen in irgend einem deutschen Frühlingsliede. Spät ging er fort, und zu seinem Schwager, bei dem er wohnte. Er fühlte sich recht zufrieden, und seines Entschlusses herzlich froh. Einige Tage bei Agathen, und die Arbeit ein vernünftiger Mensch zu werden war dennoch gelungen — trotz Toscas Prophezeihung, oder vielleicht wegen ihres „Glück zu!“ — Denn mächtig ist sie! dachte Sigismund; und ob sie wol an mich denkt .... an ihr Flacon, das bei mir geblieben ist? — So dachte er vor dem Einschlafen, wenn der Geist und der Wille nicht mehr im Stande sind die vagabondirenden Gedanken zu beherrschen; sie flogen zu Tosca, nicht zu Agathen.

Am andern Morgen, nachdem Sigismund eine Weile bei Agathen gewesen war, sagte sie:

„Aber, lieber Sigismund, warum parfümirst Du Dich so stark? ich bin das gar nicht an Dir gewohnt.“

Er griff unwillkürlich nach der Brusttasche, um sich zu überzeugen, ob das Flacon sich nicht geöffnet habe; denn er hatte sich schon so an den Geruch gewöhnt, daß er ihn nicht mehr bemerkte. Agathens Blick folgte seiner Hand.

„Bitte, zeige mir, was es ist,“ sagte sie.

Er gab ihr das Flacon, aber ein wenig widerwillig. Sie rief:

„O das ist allerliebst! doch die Essenz wollen wir ausgießen; die mag ich nicht.“