„Da!“ sprach sie. Doch noch ehe er es nehmen konnte, machte sie ihre Hand auf und ließ es fallen, zu absichtlich um den Zufall anklagen zu dürfen. Sigismund wurde blaß, stand auf und nahm seinen Hut. Als Agathe das gewahrte, sprang sie ihm in den Weg, faltete die Hände, und sagte zitternd:

„Sigismund!“

„Es thut nichts, liebe Agathe,“ erwiderte Sigismund mit etwas gezwungenem Lächeln. „Ich bin ungeschickt gewesen — nicht Du.“

„O Du bist erzürnt!“ rief sie mit tiefem Schmerz.

„Gar nicht! mein Wort darauf! ein Flacon ist ja etwas sehr Zerbrechliches! In einer halben Stunde bin ich wieder hier, Agathe — jetzt muß ich einen Gang durch die Stadt machen.“

„O nicht jetzt ... nicht so im Zorn!“ bat sie. „Geh nicht fort, ohne mir einen Kuß zu geben — das ist noch nie geschehen, Sigismund!“ — Sie sagte das aus tiefer, trauriger Liebe, doch es berührte ihn unangenehm.

„Laß mich gehen, gute Agathe, ich bitte Dich!“ sprach er im halb gereizten, halb befehlenden Ton.

„O Himmel!“ sagte Agathe und trat zurück. Sie bebte vom Scheitel bis zur Sohle, schloß die Augen, und lehnte sich an die Wand neben der Thür. Das ging ihm durchs Herz. Agathe hatte ja nicht Unrecht; sie hatte nur den unbegreiflich feinen und richtigen Instinkt der Liebe. Er! er hatte Unrecht gegen sie, und fügte jetzt noch die herbste Kränkung dazu! Er warf den Hut fort, er umfaßte Agathe, ließ sie niedersitzen, kniete vor ihr, gab ihr tausend süße Namen und liebe Worte. Sie hielt unablässig beide Hände vor dem Gesicht. Er bat sie ihn nur anzusehen, wenn auch nicht freundlich.

„Nein!“ sagte sie, „ich bin beschämt, ich kann nicht.“

„Du strafst mich hart, Agathe,“ sagte er, wieder etwas heftig.