„Es sollte nicht Strafe sein, Sigismund,“ sprach sie und ließ die Hände sinken. „Aber höre! wenn ich zu Dir spreche: Gieb mir einen Kuß! so mußt Du es thun — denn Du kannst Dir vorstellen, daß mir so viel daran liegt ... so viel ... wie vorhin. Versprich mir das.“
„Ja, liebe Agathe.“
„Dafür versprech’ ich Dir, daß ich es nie wieder thun will — nie wieder.“
„Aber wenn ich Dich um einen Kuß bitte — was wirst Du thun?“
„Ich werde immer thun, was Du wünschest,“ entgegnete sie, und die Trauer auf ihrem Gesicht machte einer wunderholden Freundlichkeit Platz. „Und jetzt bleibst Du hier? nicht wahr?“ fragte sie.
„Ich habe meiner Schwester versprochen bei ihr zu Mittag zu essen,“ antwortete er.
„O nicht bei Deiner Schwester!“ rief Agathe ängstlich; „iß bei uns, Sigismund.“
„So muß ich ihr doch sagen, daß ich nicht komme.“
„Ja, thue das! aber komm’ bald wieder; denn Deine Schwester mag mich nicht.“
„Sie mag Dich nicht?“ rief er befremdet.