„Seelenunarten kann ich nicht Krankheit nennen,“ erwiederte Sigismund.
„Ich thue es, und ich befinde mich sehr wohl dabei,“ entgegnete Friedrich. „Deine Schwester ist eine so gute Frau, wie eine! das hindert aber nicht, daß ich häufig Gelegenheit hätte, mich über sie zu ärgern. Oben hinaus will sie, immer oben hinaus .... und das hat denn doch seine Grenzen! da setz’ ich ihr eine unerschütterliche, eiserne Ruhe entgegen“ .... —
„Und reizest sie dadurch immer heftiger auf,“ unterbrach Sigismund; „nein, Freund! von solcher Ruhe kann eine Frau ganz desperat werden.“
„Ich werde mich doch nicht mit ihr zanken sollen? Das ist ganz gegen meine Grundsätze.“
Sigismund machte eine ungeduldige Bewegung.
„Es ist kalt hier draußen, nicht wahr?“ sagte Friedrich; „komm zu mir, wir wollen schwatzen.“
„Nein!“ rief Sigismund, „heut komm’ ich nicht zu Dir! heut hab’ ich Unglück! es giebt solche verwünschte Tage, die im Kalender eines schadenfrohen Dämons übel angestrichen sein müssen — und ein solcher ist der heutige.“
„Was hast Du denn mit der Auguste gehabt?“ fragte Friedrich bedächtig.
„Sie ist eifersüchtig auf Agathe! ich bitte Dich, bringe ihr doch bei, daß die Eifersucht nicht in geschwisterliche und freundschaftliche Verhältnisse gehört, sondern zur Liebe, zur Ehe“ .... —
„Den Teufel auch!“ rief Friedrich; „Eifersucht zur Ehe! ein horrender Gedanke, der! besonders in meinen Verhältnissen. Nein! wenn meine Frau eifersüchtige Launen haben will, so gönne ich sie Dir von ganzem Herzen, lieber als mir — Denn ein Bruder fragt doch weniger danach, als ein Mann. Adieu, mein Alter.“