„Bist Du denn nicht in Berlin der Tosca Beiron begegnet? sie soll ja da sein — hört’ ich heute.“
Sigismund war zu Muth wie Jemand, der dem Ufer nah in den Strudel der Wellen sich zurückgerissen fühlt. Er sagte entschlossen:
„Ich wohne mit ihr in demselben Hause und habe sie öfter gesehen.“
„Und das sagst Du mir nicht!“ rief Friedrich; „aber nun erzähle! wie sieht sie aus, wie geht’s ihr, wie lebt sie? hat sie wirklich einen alten kränklichen Mann? Tosca Beiron mußt Du wissen, Gustchen — wandte er sich an seine Frau — war in Bonn meine Göttin, und Sigismunds erste Liebe, Fräulein Agathe“ — sagte er zu dieser.
„Ich kann mir keine Person vorstellen,“ entgegnete Auguste, „die auf Euch Beide einen gleich tiefen Eindruck machen könnte.“
„Das war er auch mit nichten!“ sagte Friedrich; „ich behielt immer den Kopf oben; aber Sigismund war weg — rein weg. Sigismund bei einundzwanzig Jahren, als Student zu Bonn, Fräulein Agathe, war nicht der ernsthafte Regierungsrath zu Magdeburg, der Ihnen jetzt zur Seite sitzt, und ich war damals auch ein ganz Andrer.“
„Ich glaube gar, Du seufzest,“ rief Auguste. „Wenn ich mit Dir zufrieden bin, so wie Du jetzt bist, so seh’ ich nicht ein, was Du zu seufzen hast.“
„Es ist eine ganz schlechte Gewohnheit,“ sagte Sigismund, „bei der Erinnerung an die Jugendzeit zu seufzen. Wir sollten lieber lachen, daß wir ihre Freuden gehabt haben, und daß ihre Thorheiten hinter uns liegen.“
„Aber Sigismund — wer ist Tosca Beiron?“ fragte Agathe.
„Erlauben Sie mir Ihre Frage zu beantworten!“ nahm Friedrich schnell und neckend das Wort; „den armen Sigismund dürfte es verlegen machen.“