„O!“ rief Sigismund, „es wäre übel mit mir bestellt, wenn ich um jedes Frauenzimmer verlegen werden sollte, das mir gefallen hat.“

„Gefallen hat!“ rief Friedrich lachend; „das nennt er gefallen hat! Fräulein Agathe, die Zeiten sind längst vorüber, und ein Student hat ein andres Herz als ein Mann, aber glauben Sie mir: Ihr Sigismund war dermaßen ernsthaft verliebt in Tosca Beiron, wie zu seiner Zeit von den sechshundert Studenten zu Bonn nicht ein einziger verliebt war.“

„Das gefällt mir von meinem Bruder!“ sagte Auguste.

„Würd’ es Dir auch von Deinem Mann gefallen?“ fragte Friedrich.

„Gewiß!“ entgegnete sie, „lieber tüchtig, als matt verliebt sein.“

„Gustel! so spricht eine alte Ehefrau aus der temperirten Zone des ehelichen Lebens heraus,“ sagte ihr Mann. „Eine Braut wird immer wünschen, daß ihr Herzliebster wo möglich gar nicht — oder doch nur so matt wie möglich verliebt gewesen sei, bis er ihr gegenüber in Flammen steht. Gelt, Fräulein Agathe?“

„O Himmel, Sigismund! wer ist Tosca Beiron?“ sagte Agathe und faltete bittend ihre Hände gegen ihn zusammen. Es war ihr unmöglich auf Friedrichs Scherze einzugehen. Sie konnte das sonst, zuweilen, wenn sie grade recht fröhlicher Laune war. Die gehört dazu, um solchen Neckereien zu begegnen, welche manche Menschen die Gewohnheit haben gegen ein Brautpaar, und vorzugsweise gegen die Braut zu richten. Eine gräßliche Gewohnheit! ganz genügend, wenn man glücklich ist, einem die neckenden Leute — und wenn mans nicht ist, einem den Bräutigam unerträglich zu machen.

„Sie ist die Frau des General Beiron,“ antwortete Sigismund, „lebt diesen Winter in Berlin, und ich habe unsre durch zwölf Jahre unterbrochene Bekanntschaft wieder angeknüpft, weil wir in demselben Hause wohnen, und weil ich ihr — oder eigentlich ihrem Mann — eine kleine Gefälligkeit erzeigen durfte.“ — Er erzählte darauf den Wechsel seiner Wohnung, und Agathe hörte ihm mit gespannter Theilnahme zu.

„Und ist sie denn noch schön?“ fragte Auguste.

„O wunderschön!“ entgegnete Sigismund; „es ist vielleicht zu viel Licht in dem Antlitz; die Augen, die Farben, die Zähne, die Lippen, das Haar — Alles ist Glanz, nirgends Schatten! aber es ist der Glanz des Diamants. Und so ist auch ihr Wesen, ihr Blick, ihr Lächeln, ihre Stimme — nichts Dunkles in der ganzen Erscheinung.“