„So war sie schon damals!“ rief Friedrich; „ganz genau so! mirakulös, daß sie sich so gut conservirt hat! die Blondinen verblühen meistens mit fünfundzwanzig Jahren, und sie muß wol dreißig sein.“

„Ah, sie ist schon dreißig Jahr alt?“ rief Agathe mit einem freudigen Seufzer.

„Ich schmeichle mir,“ sagte Auguste, „daß ich mit meinen dreißig Jahren nicht blos gut conservirt aussehe, was beiläufig eine ganz unerträgliche Redeweise ist, lieber Friedrich, sondern sehr bezaubernd.“

„Es ist eine alte Erfahrung,“ sprach Sigismund lächelnd, „daß die Bezauberung völlig unabhängig von Jugend und Schönheit sein kann. Cleopatra war eine kleine magre schwarze Frau; Prinzessin Eboli hatte nur ein Auge; Diane de Poitiers hätte bequem die Mutter ihres königlichen Geliebten sein können. Die Bezauberung fängt eben da an, wo die gewöhnlichen Mittel um zu gefallen aufhören.“

„Das ist recht trostreich für uns!“ rief Auguste.

„Ach nein!“ sagte Agathe; — „man müßte denn das Bewußtsein eines Zaubermittels in sich tragen.“

„Ich weiß etwas,“ sagte Friedrich, „worauf solch’ ein Zauber sich wesentlich stützt. Aber Ihr werdet mich Alle dermaßen anschreien, daß ich es Euch nicht zum Besten gebe.“

„O ich errathe schon, was das ist!“ entgegnete Auguste; „Geist, Güte, Grazie — dies Kleeblatt, welches Ihr uns immer in vollen Sträußen anwünschet, und an welchem Ihr doch häufig so gleichgültig vorüberstreift.“

„Sehr natürlich!“ erwiderte Friedrich neckend. „Geist? — unbequem! Güte? — langweilig! Grazie? — überflüssig! am Heerd und in der Kinderstube total überflüssig! — Nein, Gustel, das war schlecht gerathen! denk Dir was Andres aus!“

„Ich verstehe gar nicht zu rathen,“ sprach Agathe bittend; „sein Sie gut! sagen Sie mir das Mittel.“