„Und glaubst Du nicht an solche Ausnahme, Sigismund?“ fragte Agathe dringend.

„Ich hoffe auf sie, liebe Agathe,“ sprach er freundlich.

„Ich wüßte aber doch gern noch mehr von Tosca Beiron,“ hub Friedrich wieder an; „erzähle mir von ihr, von ihrem Mann, ihren Verhältnissen“ ... —

„Ach!“ rief Auguste, „Du wirst langweilig! wie kannst Du Dich so lebhaft für eine Frau interessiren, die Du in zwölf Jahren nicht gesehen hast?“

„Ich dächte, Gustel, das müßte Dir angenehmer sein, als wenn ich sie in zwölf Tagen nicht gesehen hätte,“ antwortete Friedrich.

„Nein!“ entgegnete sie; „diesmal will ich aufrichtig sein und Dir sagen, daß solche unvergeßliche Personen mich geniren. Gegen eine so lange Erinnerung kann nichts — nichts in die Schranken treten, und die Gegenwart am wenigsten, weil grade deren Mangelhaftigkeit uns den Erinnerungen gegenüber doppelt fühlbar wird.“

Bei jedem Wort seiner Schwester fühlte Sigismund sein Herz schwerer und immer schwerer werden. Er dankte ihr und dem Himmel, als sie sich sofort mit einer Frage nach Liszt an ihn wendete, und ihn aufforderte von ihm zu erzählen, wie er gespielt habe, und was.

„Schuberts Ave Maria hat er gespielt,“ antwortete Sigismund.

„Weshalb ist Dir das besonders im Gedächtniß geblieben? war es vorzugsweise schön?“ fragte Agathe.

„Es war Alles schön!“ entgegnete Sigismund ausweichend; „ich hab’ Euch den Conzertzettel mitgebracht — da könnt Ihr sehen, was er gespielt hat.“