Er zog sein kleines Portefeuille aus der Tasche und nahm den Zettel heraus.
„O wie verbraucht sieht Dein Schreibtäfelchen aus!“ rief Agathe. „Ich werde Dir ein anderes arbeiten. Zeig’ her! ich will genau das Maß nehmen.“
Sigismund gab es ihr.
„Darf ich wol ein wenig darin blättern?“ setzte sie neugierig hinzu.
„O sehr gern,“ erwiederte er; „es ist nur gar nichts drin, was Dich unterhalten könnte. Auf der einen Seite ein Paar Visitenbillets, auf der andern ein Paar Thalerscheine.“
Agathe hatte mit der äußersten Geschwindigkeit die Papiere durch ihre Finger gleiten lassen.
„Und das?“ fragte sie plötzlich, „was ist das für eine getrocknete Blume?“ Sie nahm aus der Tiefe des einen Seitentäschchens die Tazette heraus, welche am Neujahrstag aus Toscas Blumenstrauß gefallen war, und welche Sigismund wirklich ganz und gar vergessen hatte — nicht aus Vergeßlichkeit, sondern weil er des dürren Erinnerungszeichens an Tosca nicht bedurfte.
„Was ist das für eine Blume?“ wiederholte sie.
„Eine Tazette!“ sagte er gedankenlos.
Agathe sah ihn rasch mit tief fragendem Blick an; darauf schlug sie eben so rasch die Augen nieder. Sie wollte nicht in Sigismunds Augen lesen, daß seine Gedanken nicht bei ihr waren. Sie hielt die arme Tazette krampfhaft zwischen ihren Fingern. Sie hatte Lust, sie in Staub zu zerreiben und unter ihre Füße zu werfen. Da fiel ihr das Flacon ein, und die Szene, welche darauf gefolgt war, und auf einmal fühlte sich das arme Mädchen in ihre Bestimmung eingeweiht: zu schweigen und zu leiden. Sie ließ die Tazette zwischen die Visitenbillets zurückgleiten, schloß das Portefeuille, gab es sanft an Sigismund zurück und sagte: