„Wie käm’ ich dazu?“ entgegnete sie unbefangen.

„Du bist das einzige Kind Deiner Mutter, ein wenig verzogen als solches, durch Liebe verwöhnt, das kann gar nicht anders sein. Aber wenn Dir Andere nicht mit ähnlicher Liebe entgegen kommen, so setzest Du sofort einer Mißstimmung gegen Dich bei ihnen voraus. Ist das wol recht? und besonders gegen meine Schwester, die eine so ganz brave und angenehme Frau ist, und mich so zärtlich liebt, daß Du ihr schon deshalb gut sein müßtest!“ Er hatte ganz freundlich und sanft gesprochen, nicht ermahnend, viel weniger erzürnet; aber Agathe war in schmerzlich gereizter Stimmung! die Thränen, welche sie den ganzen Morgen mühsam verhalten hatte, brachen hervor, und sie sagte weinend:

„Ich bitte Dich, Sigismund, mache mir keine Vorwürfe .... ich verdiene sie nicht.“

„Es fällt mir nicht ein, Dir Vorwürfe zu machen,“ sagte er gelassen; „aber Du siehst, daß ich Recht habe, Dich ein wenig verwöhnt zu nennen: der bloße Gedanke an einen möglichen Tadel kränkt Dich.“

Die arme Agathe suchte nicht sich zu entschuldigen; sie nahm den Vorwurf hin, aber sie fragte:

„O Sigismund! warum bist Du denn so sehr unzufrieden mit mir?“ — und weinte, als ob sie sich in ihren Thränen auflösen wolle.

„Wenn Du bei der geringsten Diskussion sofort anfängst zu weinen, Agathe, so ist es ganz unmöglich, mit Dir vernünftig zu sprechen.“

„Vernünftig wol! ... aber nicht hart.“

Er war sich bewußt, weder in Ton, noch Worte, noch Ausdruck, die geringste Härte gelegt zu haben. Er stand auf und sagte:

„Einer so übertriebenen Empfindlichkeit gegenüber kann ich nur schweigen, denn was ich sagen mögte, würde Dich in Deiner gegenwärtigen Stimmung kränken oder betrüben.“