„Woher weißt Du, daß ich’s gehört habe?“ rief er ganz erstaunt, denn er dachte an Tosca.

„Du sagtest, nichts in dem ganzen Conzert habe Dir so hinreißend geschienen.“

„Das ist wahr,“ sprach er zerstreut; „es mag also wol sein, weil ich es gehört habe und nicht wegen der Composition.“

Agathe spielte und sang noch Einiges; der Abend ging hin. In der Frühe des nächsten Morgens wollte Sigismund wieder abreisen. Er sagte es.

„Du kommst wol fürs Erste nicht wieder?“ fragte Agathe.

„Wenn es Dir keine Freude macht, gewiß nicht,“ sagte Sigismund.

„Mein Gott, liebster Forster! wie sollt’ es der Agathe keine Freude machen!“ rief die Justizräthin ganz erstaunt über den kühlen Ton der beiden Verlobten. Sie sah erst Sigismund, dann ihre Tochter an, und fragte endlich besorgt: „Aber was ist denn zwischen Euch vorgefallen?“

Wie vorhin Agathens Frage: „Was hast Du gethan?“ — ebenso erkältend traf die der Justizräthin auf Sigismund. Er wunderte sich, daß die Frauen so positiv im Inquiriren sind, und das mißfiel ihm über alle Maßen. Eine fragende, spähende, forschende Schwiegermutter war der Schlußstein der Marterkammer, Ehe genannt, in die er heute einen andern Blick, als bisher, geworfen. Die Möglichkeit eines ungeheuern Glückes in ihr, zu deren Realisirung für ihn auch nicht die allergeringste Hoffnung da war, hatte sein Verlangen nach mittelmäßigem und alltäglichem Glück für immer ausgelöscht. Vorgefallen aber, wie die Justizräthin sagte, war nichts, gar nichts. Nur sein Herz war näher zu Tosca gedrungen — sein äußeres Leben um kein Haar breit. Er beantwortete nicht die Frage der Justizräthin; er sprach ebensowenig davon, daß und wann er wiederkommen werde. Er sprach allerlei Oberflächlichkeiten, wie man thut, um die Zeit hinzubringen. Dann nahm er Abschied mit trauriger Freundlichkeit. Er fühlte — es war aus und vorbei.

Als die Thür hinter ihm zugefallen war, sank Agathe der Justizräthin in die Arme und rief in lauter Verzweiflung:

„Mutter, o Mutter, er liebt mich nicht!“ — —