„Nun wenn’s zerbrochen ist, so ist’s gut!“ sagte sie beruhigend.
„Sie würden es mir also nicht lassen?“
„Ich weiß, daß Sie Sich nichts aus kleinen Geschenken machen,“ erwiderte sie mit heiter spöttischem Lächeln.
„Gnädige Frau,“ entgegnete Sigismund ganz ernsthaft, „wenn man einmal huld- und gnadenreich Vergebung der Sünden ertheilt hat, so darf man nicht mehr auf sie zurückkommen. Das heißt nutzlos martern.“
„Da haben Sie wol Recht,“ antwortete sie sanft, „aber ich scherzte nur, denn glauben Sie mir, es ist kein Vorwurf mehr in meiner Seele, nur Dank.“
„Dank, weil ich Ihnen Schmerz gemacht?“ fragte er ungläubig.
„Als der Schmerz über mich kam, da nahm ich mir vor, besser zu werden als ich war, damit mich künftig kein ähnlicher treffen möge; denn in all’ unsern Schmerzen liegt eine ganz heimliche, ganz kleine, oft vor uns selbst verborgene Schuld. Je besser der Mensch, um desto weniger Schmerz hat er, weil innerer Vorwurf der Giftzahn des Schmerzes ist — und keinen Schmerz hat er, der ihn zernichtet. Ich denke doch ein wenig tüchtiger geworden zu sein, als ich damals war, und ist es da nicht sehr natürlich, demjenigen Dank zu wissen, der mir dazu geholfen hat?“
„Mit diesen Gefühlen wird man Märtyrin,“ sagte Sigismund, der es besser fand, im Scherz als im Ernst zu antworten.
„O behüte!“ rief sie, „um das zu werden, müssen sich diese Gefühle einzig und allein Gott zuwenden.“
„Wenn ich Sie reden höre, so gut, so klar, so einfach, so wünschte ich wol von Graf Adlercron zu erfahren, welche Vollkommenheit Ihnen fehlen sollte.“