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Den 1. Januar 1919 abends.

Noch im Traum dieser ersten Nacht im Jahr sang mir eine Stimme voll dunklem Trauern:

Magst du auch sein
Weit über Land gefahren,
Fällt es dir doch nach Jahren
Stets wieder ein.

Den ganzen Tag kamen mir vorwurfsvolle Augen nach aus einem gedankenzerpflügten Gesicht. »Weißt du, was mir von meinem Vater geschehen?« »Zu Schlimmes kann es nicht sein ... es ist der Vater ...« rief mein Gedanke in unbekannte Fernen ...

Aber der spitze Dorn der Frage stieß sich immer tiefer in mein Herz: »Wie soll ich, gerade ich, die Lösung finden zu gerechtem Ausgleich zwischen den zwei Lebensaltern?«

VIII.

Den 20. Januar 1919.

Die Eindrücke der Silvesternacht vergitterten mir lange die Außenwelt. Ich verstrickte mich in die Wundergärten der Vergangenheit. Ich tauchte unter in die vereisten Wasser meiner Erinnerungen und griff nach gefrorenen Blüten, die unter meinen warmen Händen auftauten und Offenbarungen dufteten. Ich überflog die Höhen der Vergessenheit und nahm in Beglückung neuen Besitz von den Wundern und Mären der Fremde.

Es war schwer, die Treppen so verzauberter Gänge wieder hinanzufinden. Aber die Gegenwart pochte immer lauter und aufrüttelnder an diese Stollen der Entrücktheit. Als ich endlich in harten Mühen den Ausgang fand und den Januar dieses Jahres wieder erreicht hatte, erstickte ich fast in dem Gefängnis, darin der Krieg uns nun fast ein halbes Jahrzehnt lang eingesperrt hielt.