Da schrie sie die wilde Klage:
»Mein Glaube an eure roten Erdenfreuden, an der Menschen Verlaß ist gestorben. So laßt mir das Paradies der kerzenblassen, himmlischen Schwermütigkeiten ...«
XIII.
Den 20. März 1919.
Ich arbeitete emsig und spät in die Nächte hinein, um meine eigensinnigen Gedanken von Ellinor und Sabine fortzujagen. Und hatte angeordnet, daß kein Besuch mich störe. So erfuhr ich nach Tagen erst, als ich meinen allzu angespannten Nerven Ruhepause geben mußte, daß Kurt-Georg zweimal gebeten hatte, mich sprechen zu dürfen.
Ich rief ihn ans Telephon und wollte wissen, ob ihn etwas bedrücke. Er komme sofort, hieß die Antwort und sagte mir ehe er da war: ja.
Und wie er eintrat, mit eingezogenen Schultern und sein Gesicht zu mir aufhob, das mit einer gilbenden Schicht bezogen schien, wußte ich, daß ungeheure Last ihn beschwere. Er sprach von ganz fortliegenden Dingen, wie ein fremder junger Mann von Stande und Umgangsformen. Seine Augen sahen schräge an mir vorüber auf einen nackten Punkt der Wand.
Ich zerriß einen seiner Sätze, aus fernen Worten zusammengesetzt, die weder zu ihm, noch zu mir gelangten, und bat ihn, mir das Ziel seiner Besuche zu nennen.
Er verwirrte sich in seiner Erzählung, blieb stecken. Dann brach hinter der maskenhaften Gleichgültigkeit des Gesellschafters die Traurigkeit eines Menschen durch, der furchtbar litt. Langsam, immer noch in Widerstreben, schob seine Hand sich in eine Tasche, entnahm ihr einen gelbgesiegelten Brief und seine zuckenden Finger ließen ihn auf den Tisch fallen.
»Soll ich lesen?« fragte ich.