Shakespeares unsterbliches Lustspiel gelangte erst am 19. März 1838 unter dem Titel »Die Widerspenstige« aufs Burgtheater.

Der dumme Engel.

In seiner Zensurdenkschrift erklärte Hägelin den »Doktor Faust« von dem Wiener Dramatiker C. F. Weidmann für unzulässig, nicht nur weil überhaupt darin ein Engel auftrat, der eigentlich, wie alle himmlischen, »durch übernatürliche Gnadenmittel gestärkten« Personen, für das Burgtheater tabu war, sondern weil dieser Engel »viel weniger Verstand in seinen Reden wider den Verführer zeigte, als Mephistopheles, der viel mehr Witz in seinen Gegengründen für das Laster« entwickelte.

Die Mannheimer »Räuber«.

Bekannt ist, wie Schiller als Regimentsmedicus auf der Karlsschule in Stuttgart seine »Räuber« schrieb, und der Intendant Heribert von Dalberg in Mannheim das Erstlingswerk des Dichters am 13. Januar 1782 zur Aufführung brachte.

So freimütig und vorurteilslos, wie diese Initiative erwarten läßt, war aber Dalberg keineswegs; vielmehr mußte Schiller mit Rücksicht auf den kurfürstlichen Hof sein Stück einer strengen Zensur unterwerfen und sich selbst zu einer Umarbeitung bereitfinden, die als die Mannheimer Theaterbearbeitung der »Räuber« auch im Druck erschien.

Der Dichter hatte die Szenenfolge vereinfacht und mit Rücksicht auf den zu erwartenden »Unverstand der Gallerie« vieles gestrichen; des katholischen Hofes wegen mußte der die Räuber zur Übergabe auffordernde Pater in eine Magistratsperson verwandelt werden und Pastor Moser ganz fortfallen; in den Räuberszenen selbst wurde vieles gekürzt und gemildert, besonders die »räsonnirenden« Monologe Karls; sogar das Räuberlied mußte fortbleiben. Die stärkste Umgestaltung hatte der Schluß zu erleiden: Franz Moor erhängt sich nicht mehr an der bekannten Hutschnur, sondern wird von den Räubern gefangen; sie halten über ihn Gericht, werfen ihn in den Turm, in dem der alte Vater hat umkommen sollen, und reinigen sich dadurch gewissermaßen von ihrer eigenen Schuld.

Auf Dalbergs Verlangen mußte Amalie sich selbst töten, statt als echte Räuberbraut von ihrem Geliebten Karl Moor erstochen zu werden, eine Änderung, die Schiller aber bei aller Nachgiebigkeit gegen Dalberg in der Druckausgabe der Bearbeitung nicht beibehielt. Außerdem wurde die ganze Handlung aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges in die des ewigen Landfriedens, also nach 1495, verlegt, die »Räuber« mußten dementsprechend im Ritter-, statt im Rokokokostüm gegeben und alle zeitgeschichtlichen und politischen Anspielungen diesem veränderten Milieu angepaßt werden.

Und wozu sich schließlich der Dichter selbst nicht bequemen wollte, das änderte der Intendant eigenmächtig. Alles »Unschickliche« wurde beseitigt. Hatte bei Schiller Franz der Amalie gedroht: »Meine Mätresse sollst du werden, daß die Weiber mit Fingern auf dich deuten«, so hieß es nun bei Dalberg in lächerlicher Entstellung: »Ich will dich so mißhandeln, daß die Weiber mit Fingern auf dich deuten.« Und sogar den epigrammatisch wuchtigen Schluß »Dem Mann kann geholfen werden« hat Dalbergs Hand nicht verschont, sondern durch leere Breite abgeschwächt: »Dem Mann kann geholfen werden – Er führe mich vor den Richter – ein Glücklicher mehr. (Sonnen-Untergang.) Ich sterbe groß durch eine solche That! und vielleicht Verzeihung vom Himmel durch diese That!«