Abb. 7. Türstein des Königs Ur-Gur (ca. 2700 v. Chr.) in situ. Vom Haupttore des Bêl-Tempels.

Abb. 8. Hebräische Tonschalen in situ.

Alle diese Sachen gehören im wesentlichen dem unter dem Einflusse babylonischer Dämonologie degenerierten Judentume und anderen verwandten Sekten der 5-8 nachchristlichen Jahrhunderte an. Sie lehren uns in ihrer Weise, welcher Art der religiöse Einfluss gewesen sein mag, welcher von Babylon auf das vom heimatlichen Boden und dem Weckruf seiner Propheten losgelöste Judah ausging.

Die meist den Gräbern und Totenurnen entnommenen kostbaren Geräte und Schmucksachen ([Abb. 9]) aus verschiedenen Steinen, Kupfer, Bronze, Silber und Gold betragen mehr denn ½ Centner, wobei die zahlreichen Silbermünzen der älteren griechischen und parthischen Periode und sogar aus noch späterer Zeit völlig unberücksichtigt geblieben sind. Mehrere hundert Silbermünzen aus der Zeit der ‘Omajjaden- und ‘Abassiden-Kalife, von denen Hârûn er-Raschîd der bekannteste ist, wurden in den Abhängen der Hügel in zwei grossen Nestern gefunden. Von den massenhaft vorkommenden nachbabylonischen Ton-Särgen, welche meist ohne jegliche Ordnung über- und nebeneinander (vgl. S. [37]) angetroffen werden, haben wir ca. 2500 näher untersucht. Noch wichtiger waren die Totenurnen ans der ältesten vorhistorischen Zeit, die in Verbindung mit Tausenden von Tonvasen aus allen Jahrhunderten babylonischer Geschichte unsere Kenntnis von der allmählichen Entwicklung der Keramik im Zweistromlande ein gut Teil fördern werden.

Abb. 9. Silberne Armspange.

Im Laufe der Ausgrabungen stellte es sich heraus, dass auch auf diesem Gebiete mancherlei Berührungspunkte zwischen dem modernen und alt-babylonischen Töpfergewerbe bestehen. Als besonders in die Augen springend hebe ich hervor, dass tönerne Dreifüsse, ähnlich denen, welche in den heutigen Porzellanfabriken ([Abb. 10]) dazu verwendet werden, die übereinander getürmten einzelnen Teller und Schalen während des Brennungsprozesses voneinander möglichst getrennt zu halten, bereits in der Nähe einer babylonischen Töpferei aus dem dritten Jahrtausend entdeckt wurden ([Abb. 11]). Spuren der drei Berührungspunkte jener Dreifüsse liessen sich namentlich auf vielen emaillierten Schalen der Partherperiode ohne Schwierigkeit nachweisen. Die Töpferei selbst lehnte sich an die NO.-Mauer des Tempelkomplexes und wurde von unseren Arabern gegen Ende der vierten Kampagne sofort als solche erkannt, da derartige primitive Öfen — als eine Kombination von Töpferei und Garküche — bis auf den heutigen Tag in Baghdâd, Hilla und Basra sich erhalten haben. Obwohl in sehr ruinenhaftem Zustande, liessen sich die ursprünglichen neun Bögen und Luftschächte noch nachweisen, so dass der Expeditionsarchitekt Fisher die ursprüngliche Anlage restaurieren und veranschaulichen konnte, in welcher Weise der Bau geheizt und ventiliert wurde.