Abb. 13. Arabische Arbeiter in Nuffar, eine sogenannte hausa aufführend.
Abb. 14. ‘Abud el-Ḥamîd, oberster Scheich der Ḥamza-Stämme.
Die Schwierigkeiten, welche ich gegenwärtig im Auge habe, beziehen sich auf die Trümmerhügel selbst und auf die mannigfachen Hindernisse, welche sich meiner näheren Bestimmung des Alters unbeschriebener oder undatierter Antiquitäten und der Bedeutung der nach allen Richtungen hin scheinbar gesetzlos laufenden Mauerreste anfänglich entgegenstellten. Nach jahrelangem Studium ist es mir endlich gelungen, eine gewisse Ordnung in die oft so verworrene Trümmermasse zu bringen. Einundzwanzig verschiedene Strata lassen sich in den Ruinen Nuffars mit Sicherheit nachweisen. Jedoch ist dabei zu berücksichtigen, dass diese Einzelphasen in der Geschichte jener uralten Stadt, deren Gründung die babylonische Schöpfungslegende unmittelbar an den Anfang menschlicher Geschichte verlegt, keineswegs in jedem Teile der Ruinen festgestellt werden können. An manchen Stellen lagern die Reste des zweiten Jahrtausends direkt auf denen der vorsargonischen Periode, an anderen sind dieselben durch 10-15 Fuss Schutt voneinander geschieden, noch anderswo treten die Reste der ältesten Zivilisation, wie in Fâra, fast unmittelbar an die Oberfläche. Es scheint demnach von vornherein klar, dass manche Quartiere Nippurs oft Jahrhunderte hindurch und noch länger unbesiedelt geblieben sein müssen, während andere wiederum fast ununterbrochen mit Häusern besetzt waren. Jedoch hat dieser Satz nur sehr allgemeine Geltung. Denn es bleibt notwendigerweise die Aufgabe bestehen, in jedem besonderen Falle erst nachzuweisen, inwieweit spätere Generationen hier zerstörend eingegriffen haben, sei es auch nur, um sich billigeres und besseres Baumaterial zu verschaffen. Gilt doch noch heute allenthalben in Babylonien als feststehende Tatsache, dass früher bearbeiteter Ton ein vorzüglicheres, weil zäheres Material zur Bereitung von Luftziegeln bietet, als frisch aus der Grube gewonnene Erde; und haben doch gerade die parthischen Baumeister fast ausschliesslich aus den altbabylonischen Bauresten die Festungen und Paläste errichtet. Nur im Tempelhügel selbst, wo in älterer Zeit eine gewisse Scheu vor dem Eigentume der Götter und in nachbabylonischer Zeit militärische Rücksichten zur besseren Erhaltung der Hauptgebäude trieben, lassen sich jene 21 Schichten an der Hand wertvoller Plattformen, welche den Trümmerhügel gewissermassen in Grade abteilen, einzelner Mauerreste, beschriebener Antiquitäten, charakteristischer Tonscherben, eigentümlich gestalteter Backsteine und sonstiger Hilfsmittel der Archäologie mit grösserer Bestimmtheit aufdecken.
Diese 21 übereinander lagernden Strata, von denen nur die hauptsächlichsten in dem hier wiedergegebenen Diagramme angedeutet sind ([Abb. 15]), lassen sich in natürlicher Weise in drei reinlich voneinander geschiedenen grossen successiven Perioden behandeln. Wir unterscheiden demgemäss, an der Oberfläche des Hügels beginnend:
Abb. 15. Querschnitt des Tempelhügels.
Entworfen von Hilprecht, gezeichnet von Fisher.
1. Die nachbabylonische Periode von etwa 300 v. Chr. bis ca. 1000 n. Chr., gekennzeichnet durch 6-24 m hohe Schuttanhäufungen in 6 verschiedenen Schichten. Der Unterschied in der Zahlenangabe der Meter ist bedingt durch das Höhenverhältnis zwischen den Resten des Etagenturmes, der im ersten Abschnitt dieser Periode militärischen Zwecken dienstbar gemacht wurde, und dem daran grenzenden Plateau.
2. Die semitisch-babylonische Periode von rund 4000 bis 300 v. Chr., repräsentiert durch 4½-6 m hohe Trümmer und Plattformen im Tempelhofe: 9 verschiedene Strata.
3. Die älteste oder prähistorisch-sumerische Periode, von unbekannten Anfängen bis gegen 4000 v. Chr., repräsentiert durch 6-9 m tiefe Ruinen: 6 verschiedene Strata.