Und wie es Tausenderlei verschiedene Arten Laute gab, so gab es tausend verschiedene Düfte, von der dampfenden Erde, von sprossendem Gras, von Knospen und Blüten, und durch das Ganze drang — wie der Ruf des Kuckucks in dem großen Gebrause — der feine, scharfe, betäubende Brodem des eben aufgesprungenen Birkenlaubs.

Sidsel Langröckchen blieb eine Weile stehen, holte tief Atem und ließ den Duft und das Brausen auf sich eindringen. Dann sah sie sich auf dem Hofe um. Es war noch ganz still, alle Türen waren noch geschlossen; von lebenden Wesen, die zum Hof gehörten, war nur Bär zu sehen, der sich langsam von den Steinfliesen erhob, wo er sichs in der Sonne bequem gemacht hatte; er kam heran, sah zu ihr auf und wedelte mit dem Schwanze.

Ja wahrhaftig, sie war heute die Erste, die auf dem Hofe auf war!

Nun, da mußte sie eben warten. Sie setzte sich auf die Treppe.

Aber nein, das hätte sie sich doch denken können — natürlich war Kjersti schon auf; sie hörte sie aus ihrer Kammer in die Küche gehen und mit dem Stecken dreimal an die Decke zur Südkammer pochen, in der die andern Mägde schliefen.

Gleich darauf hörte sie plumps, plumps, wie eine nach der andern aus dem Bette sprang, und das Klappern der Holzschuhe, die sie anzogen.

Dann kam Kjersti heraus — sie wollte nach der Knechtekammer hinüber, um die Burschen zu wecken.

Als sie Sidsel sah, sagte sie:

Nein, da ist ja Sidsel schon auf den Beinen. Du bist mir ein flinkes Mädel, ich meine, ich muß dich zur Großmagd machen.

Sidsel wurde auf einmal so verlegen, daß sie sich gar nicht getraute, Kjersti in die Augen zu sehen. Als aber endlich die Sennerin und die andern Mägde die Treppe herabkamen, hob sie unwillkürlich ihr Stumpfnäschen noch ein bißchen höher als sonst.